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Der Rest von Hamburg - Eilbek

Da ich schon seit recht langer Zeit eine stille, aber sehr regelmäßige Mitleserin bei Herrn Buddenbohm bin, will ich das mit dem „still“ jetzt mal sein lassen und mich an der Aktion „Der Rest von Hamburg“ mit einem Blogbeitrag über meinen Stadtteil Eilbek beteiligen.

Ich wohne hier noch gar nicht soo lange, obwohl es mittlerweile doch schon zweieinhalb Jahre sind. Damals wollte ich mit meinem Freund – jetzt Verlobten – zusammenziehen. Ich wohnte in Wandsbek, in einer kleinen Seitenstraße hinter dem Quarree. Genauer gesagt hinter dem großen Gebäude, in dem bis vor kurzem noch C&A war und wo sich zwischen Autowerkstätten, einem kleinen Puff, einer Musikschule und kleinen Bürogebäuden tatsächlich auch ein bis zwei kleine Mini-Plattenbauten befinden. In einem habe ich gewohnt. Um diesem Umfeld und der vierspurigen Straße schräg vorm Fenster zu entfliehen, aber trotzdem noch einen einigermaßen kurzen Arbeitsweg (Wandsbek/Neumarkt) zu haben, schauten wir also bevorzugt in Barmbek Süd, Eilbek und Uhlenhorst nach Wohnungen, ein zwei Ausreißer in Eppendorf und Winterhude waren auch dabei.

Nach fünf Monaten, die abends und am Wochenende teils mit frustrierenden, teils aberwitzigen Wohnungsbesichtigungen gefüllt waren, dann endlich eine Anzeige für eine Wohnung im Auenviertel. Das Auenviertel ist ein Teil von Eilbek, dass ja eigentlich auch „nur“ ein Teil des Bezirks Wandsbek ist, und zwar der schönste Teil Eilbeks, das muss man schon sagen. Während der Großteil Eilbeks aufgrund ausgeweiteter Bombenaktionen in der Nachkriegszeit neu bebaut werden musste, blieben im Auenviertel die meisten zweistöckigen Vorkriegsvillen und Stadthäuser erhalten. Zusammen mit dem hier vorherrschenden Grün sowie der Nähe zur Wandse ist es ein wirklich sehr schönes Viertel zum Wohnen. Von uns aus braucht man nur den Auenstieg von der Hagenau über die Blumenau bis zur Eilenau runterlaufen (jetzt ist wohl auch klar, warum das hier Auenviertel heisst), dabei ein bisschen in die Gärten gucken was hier und da so wächst und schon ist man am Eilbekkanal, wo man die Bootshäuser liegen sieht und sich jedesmal fragt, wie es sich darauf wohl leben mag. Schließlich kann einem da ja jeder rauf- und reingucken, so verglast, wie die sind. Eben auch ich, wenn ich dort laufen oder spazieren gehe.

Kirche St. Gertrud

Kirche St. Gertrud

Richtung Außenalster am schönen Eilbekkanal entlang beginnt dann auch direkt an der Wartenaubrücke die Wandse, bzw. der Kuhmühlenteich, an deren Ufer sich die – so sagt man wohl – schönste Kirche Hamburgs befindet. Am Immenhof vor der Kirche, quasi direkt an der Grenze zwischen Eilbek und Hohenfelde gibt es auch einen Wochenmarkt und im Sommer ab und zu einen großen schönen Flohmarkt. St. Gertrud war viele Monate in diesem und letztem Jahr eingerüstet wegen Turmsanierungen, aber seit dem Frühjahr ist das Gerüst wieder weg. Ich habe schon morgens in extrem klarer Herbstluft ganz tolle Fotos gemacht, wie sich die Kirche im Wasser spiegelt. Dort werden wir im nächsten Jahr auch heiraten, aber das ist eine andere Geschichte. Wenn man den Teich an der Südseite umrundet, hat man unter der Brücke in dem all dem Grün vor allem im Spätsommer immer ganz dicke Spinnennetze und vor allem morgens muss man aufpassen, dass man dort nicht reinläuft. Dann kommt auch schon die nächste Brücke, ein Eismann, bei dem bei schönem Wetter am Wochenende Schlange stehen angesagt ist, und zack, ist man an der Außenalster.

Aber ich schweife ab, zurück zu Eilbek. Mein Stadtteil wird im Westen und Nordwesten durch Hohenfelde, Uhlenhorst und Barmbek Süd begrenzt sowie im Osten von Wandsbek und im Süden von Hamm. Das macht ihn räumlich gesehen recht klein, auch wenn hier über 20.000 Einwohner leben. Sogar Max Schmeling, mit dem ich bis Juni noch den gleichen Nachnahmen teile, hat zeitweise in Eilbek gelebt und zwar in der Hasselbrookstraße. Helmut Schmidt hat mal in der Schellingstraße gewohnt, in der sich jetzt das Stadtteilbüro der Grünen befindet, wo ich mich vor ca. drei Jahren mal eingefunden habe, weil ich die Idee hatte, mich doch auch mal aktiv an Politik zu beteiligen anstatt immer nur über andere zu meckern. Diese Ereignisse wären allerdings einen eigenen Blogbeitrag wert und ich sage nur so viel: ich habe mich danach nie wieder dort blicken lassen.

Es gibt hier an der großen Hauptverkehrsader Wandsbeker Chaussee eine etwas andere Geschäftsausprägung als anderswo, neben Fahrradladen, Bäcker, Kiosk, Sonnenstudio und griechischem Restaurant gibt es zwei bis drei Friseurläden, die auf afrikanische Haare spezialisiert sind. Auch einen solchen Lebensmittelladen haben wir hier. Ein kleiner Goldschmied und ein oldschool-Schlüsselmacher sind hier auch, allerdings habe ich in diesen Läden noch nie jemanden gesehen. Und ein seltsames Dekorationsgeschäft, was um die Weihnachtszeit herum immer mal recht hübsch anzusehen ist, aber den Rest des Jahres eben leider nicht. Blumen bekommt man hier ebenso wie Kurzwaren und einen „echten“ Optiker, der keine Kette ist, gibt’s hier auch noch. Ein Sushi-Laden hat vor einigen Monaten hier aufgemacht, in dem abends nie jemand sitzt, die hocken alle nebenan beim Fastfood-Chinesen. Der laut echten Chinesen beste Chinese Hamburgs, das China Restaurant Golden, befindet sich übrigens auch in Eilbek und zwar direkt an der Wartenau. Wir waren mal dort, aber der Besuch war nicht so überragend. Vielleicht muss man da mit Leuten hin, die sich auskennen. Dann sind da noch die Shisha Bar, aus der es jeden Feierabend anders riecht und eine Sportsbar, die eher aussieht wie ein Spielcasino.

Da wir direkt an der Richardstraße eine Grundschule haben, pilgern hier jeden Morgen kleine Kinder mit Eltern und etwas größere Kinder in Grüppchen durch die Straße. Bevölkerungsmäßig ist hier sowieso alles vertreten. Nahe der Hauptstraße in den mehrstöckigen Mietshäusern wohnen so ziemlich alle Nationen, die es so gibt. Dann kommen nördlich gesehen wir mit unserer Straße, in denen in den bunt durchmischten Häusern sowohl viele Familien, als auch ältere Menschen wohnen – letztere hauptsächlich in den Erdgeschosswohnungen mit den schönen Gärten nach hinten raus und in Richtung Kanal sind dann nur noch Stadthäuser und Villen und dort leben dann eher die richtig gut betuchten Menschen. Oder eben die in den Bootshäusern.

Ich mag Eilbek, das Auenviertel und ich liebe unsere Wohnung, weil es hier viel Natur gibt und natürlich weil ich in nullkommanix, genauer gesagt drei bis vier U-Bahnhaltestellen in der Stadt oder bei der Arbeit bin und am Wandsbek Markt und wo man sonst noch hin will oder muss. Zentral und dabei fast ohne Straßenlärm. Mit Balkon zum Garten raus. Muss man auch erstmal schaffen, sowas. Deshalb bleiben wir hier auch die nächsten Jahre.

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