Das Wort „Handarbeiten“ mag ich nicht so gerne, weil es so altmodisch klingt und so negativ konnotiert ist, zumindest in der heutigen Zeit. Da finde ich die aktuellen Ausdrücke, die vornehmlich aus den USA und England stammen, viel besser. Aber anscheinend kann sich „die Szene“ noch nicht so recht entscheiden, wie man das englische Substantiv „Crafting“ (steht für alles, was man selber macht, hauptsächlich Handarbeiten wie Stricken, Nähen, Häkeln, Basteln, etc.pp) am besten ververblichen kann, so dass ein deutsches Äquivalent zu „googlen“ & Co. entsteht. Manche sagen crafteln dazu, andere benutzen als Adjektiv crafty.
Es existiert auch die Bezeichnung „Craftista“ für jemanden, der oder die sich mit Crafting politisch aktiv ausdrückt und zwar geht das zurück auf den Begriff Craftivism, eine Zusammensetzung von Crafting und Activism (aber findet ihr nicht auch, dass der Begriff einfach unheimlich weiblich klingt, auch wenn er für beide Geschlechter gelten soll?). Hier auch schön erklärt. Was ich von dieser Bewegung halte, weiß ich noch nicht genau.
Witzig ist aber, dass ich darauf auch erst auf der zweiten Ergebnisseite von Google gestoßen bin, denn zum Stichwort Crafting sind die ersten Suchergebnisse ausschließlich irgendwelchen Computerspielen/Browsergames/WOW/whatever vorbehalten, in denen dieser Begriff ebenfalls auftaucht. Crafteln gibt es auch als Umschreibung von künstlerischem Tun und Materialisieren von Energie und Crafting ist übrigens auch eine moderne, bekannte und mit am längsten tätige Hexenschule in der Schweiz, das nur mal so als nice to know, hehe.
Aber zurück zum Thema. Crafting gilt als Handarbeit von heute, als modern, man strickt, häkelt und näht zeitgemäße Entwürfe. Und die Anmutung der meisten Blogs, Foren und Webseiten zu diesem Thema ist genauso: frech, bunt, ausgefallen und kreativ. Angeblich spricht man in manchen Zeitschriften und auf manchen Blogs von einem neuen DIY-Boom und Strick-Trend (für alle, die es nicht kennen: DIY steht für Do it yourself, also Anleitungen zum Selbermachen von allem möglichen), der um sich greift. Das mag so wirken, wenn man sich mit dem Thema befasst und seine Wahrnehmung entsprechend darauf ausrichtet, aber ansonsten sehe ich persönlich das nicht so. Was ich aber schon sehe, ist das auf Teufel komm raus versucht wird, ein neues, cooles Image für Handarbeit zu schaffen, was auch langsam aber sicher um sich greift. Das kennt man ja: es müssen nur genug Leute drüber schreiben, schon ist es so.
Ich hab ja auch damit angefangen. Nach einigen erfolglosen Strickversuchen (Häkeln konnte ich schon immer) in den letzten Jahren, die immer mit einem halben Schal endeten, habe ich mir letztes Jahr im Spätsommer das Stricken in Ermangelung einer Oma in Reichweite mit Videos beigebracht. Die Seite Nadelspiel ist dafür bestens geeignet, ab und zu gucke ich da immer noch rein, wenn ich mit gewissen Techniken Schwierigkeiten habe oder nicht genau weiß, wie welches Muster genau gehen soll. Als erstes wollte ich einen PomPom-Möbiusschal stricken, habe aber nach drei Anläufen beschlossen, erst einmal einen Übungsschal mit ganz normaler Wolle zu stricken, bei der ich auch die Maschen sehe und erkennen kann, was ich gerade tue.
Mittlerweile habe ich schon viele Sachen gestrickt und ich habe seit Anfang des Jahres auch eine Nähmaschine und viele Sachen genäht, und darum wird es hier in Zukunft also auch ein bisschen gehen, um meine Projekte.
Bleibt die Frage, wie ich es benennen soll. Google spuckt zu „craften“ 192.000 Begriffe aus, zu „crafteln“ zwar nur 4.260, aber die sind dafür aber themenrelevant, im Gegensatz zu den anderen. Vielleicht wäre ja „craffen“ noch eine dritte Alternative?
In diesem Sinne: mögen die Stricknadeln mit euch sein! Howgh!
PS: Was ich ja extrem cool finde ist guerilla knitting, teilweise auch yarn bombing genannt… Falls mal jemand Lust hat, hier in Hamburg was zu machen, ich wäre dabei…
Hier noch ein paar Bilder.






















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