Bis gestern war mal wieder Internationales Filmfest in Hamburg und wenn der Tag nicht 24, sondern 36 Stunden gehabt hätte, wäre ich jeden Abend im Kino gewesen, um mir interessante Filme aus Norddeutschland und aller Welt anzusehen. Aber es ist nunmal wie es ist, und so war dieses Jahr nur Zeit für einen Film, nämlich “Miral”, das neue Werk vom New Yorker künstlerisch vielseitig begabten Regisseur Julian Schnabel – berühmt geworden durch Filme wie “Before Night falls” und “Schmetterling und Taucherglocke“. Das Drehbuch basiert auf einer semi-autobiografischen Geschichte von Rula Jebreal (“La strada dei fiori di Miral” – 2004), einer palästinensisch-israelischen Journalistin, die in Italien sehr erfolgreich und seit einigen Jahren die Lebensgefährtin von Julian Schnabel ist.
Der Film beginnt Weihnachten 1947, mit der Ausrufung des Staates Israel, zeigt dann Szenen aus dem Jahr 1948 und fährt fort im Jahr 1967, mit dem Sechstagekrieg. Hind Husseini, Tochter einer angesehenen arabischen Familie aus Jerusalem, findet im Frühjahr 1948 über 50 arabische Waisen vom Deir Yassin Massaker, die nirgendwo einen Platz haben, geschweige denn jemanden, der sich um sie kümmert. Sie baut daraufhin das Haus ihres Großvaters in ein Heim für arabische Waisen und eine entsprechende Schule – vor allem für die Mädchen – aus, das Dar-el-Tifl (Haus der Kinder) gibt es heute noch. Hind Husseinis Augenmerk ist stets auf die Bildung und den Unterricht palästinensischer Kinder gerichtet, vor allem der Frauen, unter der Prämisse, sich nicht in die Politik einzumischen, denn das würde ihr Unterrichtsvorhaben unter der Herrschaft der Israelis gefährden. Und ohne Bildung keinen Frieden.
Mit fünf Jahren kommt Miral nach Dar-el-Tifl, da ihr nun alleinerziehender Vater Jamal – ganz großartig gespielt von Alexander Siddig – nicht die Zeit hat, sich ganztägig um sie zu kümmern und sie nur übers Wochenende zu sich holen kann. Jamal hat bereits seine Schwester aufgrund politischer Aktivitäten verloren und setzt deshalb alles daran, Miral davon fernzuhalten. Miral – gespielt von Freida Pinto – muss aber als Teenager selbst in Flüchtlingslager fahren, um dort die Kinder zu unterrichten, und trifft angesichts der Umstände, die sie dort vorfindet, eine Entscheidung. Sie hält während der ersten Intifada in den 80er Jahren Kontakt zu palästinensischen Kämpfern und verliebt sich in einen ihrer Anführer, was ihr unter der Herrschaft der Israelis in Jerusalem fast zum Verhängnis wird.
Der Film ist ein wahres Kunstwerk. Die Kameraführung und ungewöhnliche Kameraperspektiven versetzen den Zuschauer immer wieder in ungewohnte Perspektiven, Licht und Farben spielen eine sehr große Rolle. Alle Schauspieler sind sehr gut in ihren Rollen, aber am besten gefallen hat mir Alexander Siddig als Jamal. Vanessa Redgrave und Willem Dafoe, die als bekannteste Schauspieler anscheinend als Zugpferde genannt werden, spielen am Anfang nur zwei kleine Nebenrollen. Immer wieder sind originale Aufnahmen vom Sechstagekrieg, den sog. Friedensmärschen und anderen historischen Ereignissen mit reingeschnitten, die den Film aber nicht aufbrechen, sondern sich tatsächlich homogen in den Erzählfluss einbinden.
Die Botschaft des Films ist deutlich: Bildung und Aufklärung sind essentiell und die Hoffnung auf Frieden ungebrochen. So endet der Film mit dem Friedensabkommen von Oslo I im Jahr 1993 und der großen Hoffnung, die damit verbunden wurde, welches aber bis heute nicht umgesetzt wurde. Der Film ist allen gewidmet, die immer noch glauben, dass Frieden möglich ist. Eine große Film-Empfehlung nicht nur für die, die sich grundsätzlich für dieses Thema interessieren, sondern auch für alle anderen.






















Ein sehr beeindruckender Trailer, ich muss mal schauen, wie ich an den Film komme, leider kommen die nicht so häufig in die Videothek, aber mal bei Amazon nachschauen, die haben fast alles…
Und schon wieder fast ein jahr rum seit dem letzten Filmfest..In 2011 geht es ab 29. September wieder los. Werde ich mir mal im Kalender ankreiden. Schön jedenfalls auf welche Ideen einen dein Blog bringt
Ein sehr schönes restliches Wochenende noch. Liebe Grüße Marina
Ich habe mir den Film gerade auf DVD angeschaut, mittlerweile bekommt man ihn auch hier bei Amazon:
http://www.amazon.de/Miral-Willem-Dafoe/dp/B004D7RPH2
Hat mir jedenfalls sehr gut gefallen. Wer sich für den Nah-Ost-Konflikt interessiert, sollte sich den Film nicht entgehen lassen.
Den Film habe ich nun schon ein paar mal gesehen und der ist wirklich klasse! Ist ja zum Glück nicht mehr so lange bis zum nächsten Filmfestival
@Manuela den Film bekommst Du auch bei Amazon oder online Videothek