Schweden sind gar nicht alle schön, groß und blond, aber jeder von ihnen hat mindestens ein kleines Kind. Schweden sind freundlich und essen gerne Muffins. Alle Schweden tragen Fahrradhelme und gehen morgens (zumindest in Stockholm) am Kai joggen. Schweden sind sehr umweltfreundlich und tragen knielange, zipfelige Strickjacken. Schweden sitzen mittags und nachmittags draußen in Cafébars, trinken ganz viel Kaffee und essen Salate mit kalten Nudeln und Fleisch (und nicht Köttbullar, wie man immer so denkt
). Schweden essen Wurst mit Kartoffelbrei aus Fladenbrot und ganz viele Sachen mit Zimt und Kardamom. Zum vielen Kaffee am nachmittag.
Drei Tage Stockholm, nur anderthalb Stunden Flug von Hamburg entfernt; ein Doppelzimmer hatten wir auf einem Hotelschiff gebucht. Erst einmal waren wir also sehr gespannt und aufgeregt, obwohl es Mittwoch morgen unangenehm früh losging. Aber so hat man den ganzen Tag ja noch vor sich, lautet immer das Hauptargument. Um sieben Uhr morgens ging also unser Flieger einer großen deutschen Fluglinie, der Flieger an sich war aber dafür recht klein. Völlig unverständlich ist es allerdings, dass es tatsächlich Leute gibt, die auf so einer kurzen Strecke in so einem kleinen Flieger auch noch Business Class buchen. Denn mehr Beinfreiheit gab‘s hier nicht, sondern nur kleine blaue Vorhänge über den Sitzlehnen und ein etwas umfangreicheres Frühstück, aber ansonsten waren die Plätze genau dieselben wie unsere auch. Das Wetter war allerdings ein Traum. Denn nachdem man Hamburg schön in der Morgensonne sehen konnte, lag anderthalb Stunden später Stockholm unter einem strahlendblauen Himmel vor uns und der Pilot drehte – warum auch immer – zwei schöne Runden direkt über der Stadt. Ich hatte mich ja schon mit dem Stadtplan vertraut gemacht und war deshalb auch schon wieder ganz hibbelig, als ich unser Hotelschiff vom Flugzeug aus identifizieren konnte. Ebenfalls schlau gemacht hatte ich mich bezüglich der Möglichkeiten, vom Flughafen Arlanda aus nach Stockholm zu kommen.
Der Schnellzug, der dank Höchstgeschwindigkeit nur 20 Minuten braucht, war auch dementsprechend teuer, weshalb wir uns für den Flygbussarna entschieden hatten, der zwar eine Dreiviertelstunde braucht, aber dafür umweltfreundlich fährt und nur die Hälfte kostet. Außerdem dachte ich, könnte man von da aus auch noch ein bisschen was von der Gegend sehen. Also sind wir nach unserer Ankunft direkt zur Information, wo ich auf Englisch mit folgenden Worten zwei Tickets für uns kaufte: “We would like to buy two return-tickets for the Flygbussarna.” Zwei Tickets, ein Bon und drei Minuten später stand ich dann da und passte auf unser Gepäck auf, als mir auffiel, dass auf den Tickets nichts von Stockholm stand, sondern nur “Vuxen City”. Dann fiel mir auf, dass ich auch gar nicht gesagt hatte, dass wir nach Stockholm wollen. Und die Flugbusse fahren natürlich auch woanders hin, z.B. nach Uppsala. Also musste der Held – der im Übrigen _natürlich_ davon überzeugt war, dass wir trotzdem die richtigen Tickets haben – auf meine Anweisung hin zum Kiosk gehen, und dort nachfragen, ob wir mit diesen Fahrscheinen nun auch nach Stockholm kommen. Dies wurde ihm auch bestätigt, woraufhin wir dachten, dass Vuxen vielleicht ein Stadtteil ist oder eben ein Insider-Ausdruck für die Stockholmer Innenstadt. So wie vielleicht in „take me down to vuxen city, where the grass is green and the girls are pretty…“ Man weiß es ja nicht und wir nahmen es einfach so hin. Zwei Tage später stellten wir bei einer anderen Gelegenheit fest, dass Vuxen schlicht und ergreifend “Erwachsener” bedeutet.
Am Hauptbahnhof angekommen fanden wir dann auch recht schnell die U-Bahn und besorgten uns zwei Tickets. Dafür, das Stockholm eigentlich gar nicht besonders groß ist, ist der Nahverkehr extrem gut ausgebaut, neben U-Bahn und Straßenbahn gibt‘s natürlich außerdem die Busse und für die Inseln auch noch Schiffe. Wir hatten mittlerweile auch herausgefunden, dass wir mit beiden roten Linien (es gibt jeweils zwei rote, blaue und grüne Linien) nur drei Stationen fahren mussten. Das richtige Gleis für diese Abfahrt zu finden war allerdings eine große Herausforderung, da die Beschilderung in der U-Bahn mehr als unbefriedigend war und wir nach gefühlten zwei Kilometern Laufband und Rolltreppen noch dreimal mit dem Fahrstuhl – in einem Fahrstuhl mit typischem Großstadtaroma, in dem man nicht durch die Nase atmen darf – direkt auf den Gleisen auf und ab gefahren sind, bis wir endlich die rote Linie und vor allem die richtige Fahrtrichtung gefunden hatten. Endlich auf dem richtigen Gleis angekommen, wollte uns ein betrunkener Großstadtbewohner, wie sie überall auf der Welt an diesen Orten anzutreffen sind, tatsächlich nochmal in eine andere Richtung schicken und ließ auch längere Zeit nicht locker.
Zu allem Überfluss hielt die Bahn an der zweiten Station einfach an und fuhr nicht mehr weiter. Und wir waren natürlich nicht wirklich in der Lage, das schwedische Kauderwelsch aus den Lautsprechern zu verstehen. Also sind wir nach fünf Minuten Wartezeit raus aus der Bahn und von dort aus zu Fuß gelaufen. Wir hatten zwar nur ein großes Gepäckstück, aber langsam war man ja auch müde und kaputt und wusste nun auch nicht so genau, wo es hingeht, weshalb der anschließende Fußmarsch durchaus nicht einer gewissen Anstrengung entbehrte.
Aber wir haben unser Schiff dann doch ohne größere Probleme gefunden und konnten dort auch unser Gepäck abladen, denn das Zimmer war erst ab dem Nachmittag zu beziehen. Die nette Dame am Empfang gab uns aber haufenweise Tipps auf dem Stadtplan, wo wir was finden würden und wo man unbedingt hinsollte, und wir stiefelten wieder los auf der Suche nach einem Café und etwas Essbarem. Der erste Supermarkt für Getränke und danach die erste Bank in der Sonne waren unser, und eine halbe Stunde später saßen wir dann auch in einem netten Café und aßen unsere erste Kardemummabrulla, die ich fälschlicherweise für die Kanelbrulla, also die Zimtschnecke hielt. Die Kardemummabrulla (die Schweden haben echt viele lustige Wörter!) ist zwar auch mit Zimt, aber hauptsächlich mit Kardamom, was ihr einen sehr intensiven Geschmack gibt, der vielleicht nicht unbedingt jedermanns Sache ist. Aber sehr lecker. Überhaupt ist in Schweden ja viel mit Zimt und Kardamom gemacht.
Nach unserem ersten Rundgang in Södermalm stellten wir schnell fest, dass die meisten Läden in Stockholm noch diese altertümlichen Ladenschilder haben, die an der Hauswand befestigt sind. Sehr reizvoll und teilweise wirklich außergewöhnlich. Dann waren wir aber auch erst einmal kaputt und machten uns auf den Rückweg zu unserem Schiff.
Nach einem Mittagsschlaf ging es dann am späten Nachmittag zu Fuß in die Altstadt auf die kleine Insel Gamla Stan. Von unserem Schiff aus brauchten wir keine zehn Minuten zu Fuß, die Lage war also wirklich top. Gamla Stan hat wunderschöne Gebäude, kleine Gassen und natürlich den Königspalast und noch einige andere wichtige Gebäude vorzuweisen, außerdem gibt es hier viele kleine Läden und Cafés, in denen man sich aufhalten und shoppen kann. Allerdings muss man hier im Gegensatz zu “unserem” Viertel Södermalm mit etwas höheren Touristenpreisen rechnen.
Die Sonne kam dann auch wieder raus, nachdem es während unseres Nickerchens draußen anscheinend geschauert hatte, so dass wir uns alles bei schönem Wetter ansehen konnten. In Stockholm sieht man wirklich den Unterschied zu anderen großen Städten in Europa, die im Zweiten Weltkrieg bombardiert wurden, denn hier steht wirklich ein altes Gebäude neben dem anderen; in der Hinsicht ist diese Stadt wirklich ein Augenschmauß. Und keine grauen Klötze, sondern alles in angenehmen Farben und ganz viel Wasser zwischen den einzelnen Inseln, schreiende Möwen über dem Kai, lauter Boote und Segelschiffe auf dem Wasser und eine frische Brise um die Nase – wirklich wunderschön.
Zum Abendessen haben wir uns dann eine typisch schwedische Wurstbude gesucht – die Schweden lieben nämlich ihre Wurstbuden, sagt der Reiseführer – und während der Held sich dort Köttbullar mit Kartoffelbrei und Marmelade gegönnt hat, habe ich mich an eine schwedische Tunnbrödsrulle gewagt: zwei gebratene Würste (konnte wählen, ob gebraten oder gekocht) auf Kartoffelbrei mit Senf, Ketchup und grober Remoulade in einem dünnen Fladenbrot, dem sog. Tunnbröd, eingerollt. Ich wurde noch gefragt, ob ich Shrimps mit draufhaben will, habe da aber dankend abgelehnt. Und was soll ich sagen: es war verdammt lecker.
Für den nächsten Tag hatten wir uns dann die Shoppingmeile in der Innenstadt vorgenommen und nachmittags die Insel Djurgarden.
































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