
Stellt euch die Wohnung einfach mit Möbeln vor.
Nun ist es auch schon wieder über drei Wochen her, dass wir in unsere tolle, neue Wohnung eingezogen sind, aber die Suche an sich wirkt noch dermaßen nach, dass wir beide bei jeder Bemerkung in Sachen „ach, wir hätten ja auch gerne eine neue Bude…“ sofort anspringen und den jeweiligen Leuten deutlich klarmachen wollen, dass es in Hamburg wirklich nicht einfach ist. Ein wenig frustrierend ist es dann zu hören, dass andere die zweite Wohnung, die sie besichtigen, toll finden und auch bekommen. Aber nun gut, Ausnahmen bestätigen eben die Regel.
Seltsame Wohnungsangebote und Besichtigungen
Wir haben uns die erste Wohnung Anfang Dezember 2009 angesehen, die letzte Anfang März. Dazwischen lagen viel verschwendete Zeit, viele Besichtigungstermine, viele Formulare, viele abgeranzte Wohnungen und viele Makler, die abgesehen von einem Sammeltermin und Formulare austeilen nichts dafür getan haben, ihre Provision für die Vermittlung des Objekts auch zu verdienen. Wir haben uns eine Wohnung in Uhlenhorst angesehen, im Souterrain, in der zwei Frauen mit drei Kleinkindern wohnten, die es nicht für nötig hielten, ihre Kinder für den Zeitraum der Sammelbesichtigung woanders hinzubringen. Deren Laune und der Geräuschpegel waren auch dementsprechend, ich wurde ebenfalls von einem der kleinen Jungen beschimpft, der – verständlicherweise – keine Leute mehr im Wohnzimmer sehen wollte. Der Vermieter hingegen stand lustlos in der Küche herum und wies jeden Interessenten auch nuschelnd und mürrisch darauf hin, dass es sich hierbei tatsächlich um die Küche handelt. Wäre man auch sonst nicht drauf gekommen; andere deponieren Herd, Spüle und Küchenzeile mit Kühlschrank ja auch gerne im Schlafzimmer, um nächtlichen Kochorgien zu frönen. Genau so findet man geeignete Nachmieter.
Eine andere Wohnung in St. Georg, die wir uns erst anschauen wollten, weil die Lage echt gut und der Preis bezahlbar war, hatte aufgrund alter Rohre und Ablagerungen kein geeignetes Trinkwasser in den Leitungen, weshalb im Mietpreis die Lieferung von zwei Kisten Mineralwasser die Woche inklusive war. Und das Traurige dabei ist, dass es mit Sicherheit Leute gibt, die sowas auch noch mieten. Eine andere Wohnung in Hohenfelde ist aus zwei Wohnungen zusammengelegt worden, weshalb es zwei Durchgangszimmer gab und ein drittes dahinter mit 2 nicht funktionierenden Türen, welches dann als mögliches Ankleidezimmer angepriesen wurde. Nachdem der Vormieter mir dann auch noch gesteckt hatte, dass die Wohnung tagsüber kaum Tageslicht hat, war die Sache erst Recht durch. Schön war auch die Wohnung in Eilbek, die in einem ehemaligen Geschäftsraum eingerichtet war, so dass das als groß und weitläufig angepriesene Wohnzimmer eine riesige bodenlange Fensterfront hatte, sogar noch mit Tür. Zwar abgeschlossen und nicht genutzt, aber trotzdem doof. Und das natürlich zur Straße hin, wie es sich für ein Schaufenster gehört. Da wir nicht vorhatten unser gemeinsames Leben und Wohnen zur Schau zu stellen – abgesehen davon, dass die Reichweite über Webcams dann auch deutlich größer wäre – kam das also auch nicht in Frage.
Immenser Zeitaufwand
Insgesamt haben wir uns über 20 Wohnungen angesehen, 4 Favoriten waren dabei, davon auch nur eine über Makler. Ein immenser Zeitaufwand, trotz Email-Alerts und Suchagenten bei allen großen Immobilienportalen, die es so im Netz gibt. Vor allem, weil ja Makler – und von den besichtigten Wohnungen waren 70 Prozent über Makler angeboten – nicht bereit sind, auch mal Termine am Wochenende oder nach 18 Uhr anzubieten. Nein, stattdessen werden Besichtigungstermine auf einen Dienstag um 14 Uhr gesetzt. Mal davon abgesehen, dass man für den eigentlichen Umzug am Ende schon mindestens drei bis vier Tage Urlaub für Vor- und Nachbereitung braucht, kann man sich ja nun nicht wirklich für jede Besichtigung einen Tag Urlaub nehmen. Also hat man entweder einen verständnisvollen Chef – wie ich – oder kann es sich von seiner Position her einfach leisten, zu solchen Zeiten private Termine wahrzunehmen. Letztere würden sich allerdings Wohnungen in dieser Preisklasse eher nicht ansehen, weshalb ich schon kurz davor war den entsprechenden Maklern zu sagen, dass sie mit solchen Terminen wohl eher Mieter ohne geregelte Arbeit ansprechen, als andersherum.
Aufgrund des hohen Zeitaufwands für wochentägige Besichtigungen neben einer 50 Stunden Arbeitswoche und der hohen Maklerfrequenz bei vernünftigen Wohnungen hatten wir uns nach zwei Monaten Suche dazu durchgerungen, einen Makler beauftragen zu wollen. Denn wenn wir schon Courtage zahlen müssen, dann doch bitte auch für eine entsprechende Leistung, die uns die Wohnungssuche erleichtert. Pustekuchen. Mit drei Maklerbüros, die uns vorher schon bei Besichtigungen begegnet waren – nicht die mit den Sammelterminen und null Infos, sondern die, die Einzeltermine gemacht hatten und auch in der Lage waren, tiefergehende Fragen zum Objekt zu beantworten – habe ich telefoniert, um endgültig gefrustet festzustellen, dass es auf dem Hamburger Wohnungsmarkt schon seit ein paar Jahren für Makler keinen Sinn mehr macht, nach Mietwohnungen für Mieter zu suchen. Zum Kaufen ja, zum Mieten nein. Ob das an der gedeckelten Provision von 2,38 Kaltmieten liegt, trotz der damit verbundenen Mehrarbeit, sei jetzt mal dahingestellt, aber die Makler mit Sammelbesichtigungen verdienen sich meiner Meinung nach auf jeden Fall eine goldene Nase. So weit, so gut, also weitersuchen.
Im Nachhinein ist es eigentlich ganz witzig, dass ich beim Anblick der Anzeige unserer jetzigen Wohnung zu meinem Freund sagte: „Das ist sie“. Und auch zu anderen Bekannten vor dem Besichtigungstermin immer wieder gesagt habe: „Am Wochenende gucken wir uns unsere neue Wohnung an!“.
Letzten Endes waren es aber Schnelligkeit und Glück, denn das man den Vormietern in irgendeiner Form für weitere Empfehlungen sympathisch ist, ist nicht selbstverständlich. Und als dann die Bitte um Selbstauskunft seitens der Verwaltung kam, stand der Held dort am nächsten Tag im Anzug auf der Matte, mit unseren gesammelten Unterlagen in der Hand. Man muss sich ja sowohl bei Verwaltern als auch bei Maklern ziemlich nackig machen, wenn man überhaupt eine Chance auf eine Wohnung haben will. Der Gipfel der Dreistigkeit war ein Maklerbüro, welches nicht nur die standardmäßige Verbraucherauskunft der Schufa haben wollte – wo eben nur die relevanten Daten draufstehen – sondern eine komplette Schufa-Eigenauskunft, in der wirklich alle persönlichen Daten eingetragen sind. Das ging uns dann auch aus Prinzip zu weit, hier haben wir uns gar nicht erst beworben. Da habe ich mich auch ernsthaft gefragt, warum es in genau diesem Bereich nicht besser geregelt ist, was Mieter überhaupt verlangen dürfen und welche meiner Daten ich aus Prinzip schützen darf, ohne im Wettbewerb mit den anderen Interessenten schlechter da zu stehen.
Und auch uns haben sie Geld aus der Tasche gezogen…
Und natürlich sind auch wir während unserer Suche auf Pseudo-Anbieter von maklerfreien Wohnungslisten reingefallen. Da arbeitet man im Online-Business und hält sich selbst für total ausgefuchst, aber anstatt den Anbieter einfach mal zu googlen, bevor man sich für Geld anmeldet, um einmal wöchentlich Listen mit Wohnungen zu erhalten, haben wir es halt einfach gemacht. Und schnell festgestellt, dass ProWohnen so absolut nicht hält, was es verspricht. Ich will sie jetzt nicht komplett in die Ecke der Abzocker stellen, die Listen aus Anzeigen der Immobilienportale generieren und diese verschicken, auch wenn die Wohnungen längst vergeben sind, aber beim nachträglichen Recherchieren im Netz haben wir dann schon recht schnell festgestellt, dass Verbraucherzentralen vor diesen Services allgemein, als auch diesem Anbieter speziell, ausdrücklich warnen. Aber hinterher ist man ja immer schlauer. Immerhin haben wir uns köstlich über immer wiederkehrende Lockangebote auf allen großen Portalen amüsiert, die wahlweise auf der Schanze oder in Eppendorf/Winterhude/Blankenese/Neustadt 100 m2 Wohnungen komplett eingerichtet für 500 – 600 Euro warm vermieten, vorzugsweise von einem englischen Geschäftsmann, der viel auf Reisen ist. Kontaktiert man den, bekommt man die Nachricht, man könnte die Wohnung ohne Probleme sofort bekommen, wenn man eine Vorabzahlung über Western Union vornimmt. Im Fernsehen hatten sie mal Leute gezeigt, die waren darauf reingefallen. Nun ja.
Fazit
Wer wie wir in der allseits beliebten Kategorie 3ZKVBB sucht, sollte sich tatsächlich auf eine längere Suche einstellen. Auch wenn es Ausnahmen gibt. Und zwei Tage Urlaub vor dem eigentlichen Umzug, wenn man alles noch komplett neu streichen muss, ist vielleicht auch ein bißchen wenig. Das endet dann wie bei mir, dass ich abends um zehn meine rechte Hand schon nicht mehr bewegen kann und mir Schreckensbilder ausmale, was a) nun mit der Hand passiert, die sich immerzu zusammenzieht und nicht mehr strecken lässt, und b) ich den Umzug managen soll, dann aber nochmal eine weitere Stunde zusammen mit dem Helden ohne Deckenbeleuchtung verbissen „mal eben schnell“ die Küche streiche, wobei uns dann um kurz nach elf aus Versehen die Abdeckfolie auf die heiße Lampe gerät und sofort anfängt zu qualmen und zu stinken, was sich angesichts der installierten Rauchmelder in der Wohnung – abgesehen von der Küche (!) – als Problem erweisen könnte, es aber glücklicherweise nicht tut. Der Umzug selbst hat dann auch gut geklappt, dank tatkräftiger Hilfe von Freunden und Verwandten, aber zur Zeit bin ich der Meinung, nächstes Mal lieber Geld für ein Umzugsunternehmen auszugeben, als mir den ganzen Stress nochmal anzutun. Aber das wird auch noch eine gaanze Weile dauern, schließlich haben wir am Ende unsere Traumwohnung gefunden.






















Dann wünsche ich Euch jetzt alles Gute im neuen Heim!
Ja, trautes Heim, Glück zu zwein etc., also ich kann da ja etwas mitfühlen
Wobei sowas in der Großstadt schon echt heftig klingt. Und das mit dem Mineralwasser find ich…äh… also das ist schlichtweg der Renner!!! lol
Ja ja… Wohnungssuche… Das kenne ich… Seid froh, daß Ihr eine bekommen habt, die zumindest Steckdosen hat. Bei meiner Suche nach bezahlbaren Wohnungen, zeigte man mir Wohnungen, in der nur Kabel aus der Wand hingen (keine Steckdosen und Lichtschalter).
Das Beste war allerdings eine in Velbert-Mitte. Sollte SOFORT bezugsfertig sein. Als ich ankam, stand dort das Haus, aber die Firma die Renovierte hatte 3 Monate vorher die Pleite gemacht. Man wollte mir 2 Monatsmieten erlassen, wenn ich zuende renovieren würde… Ich hätte den Vermieter fast mit einer Kelle erschlagen… Die Steine für die neuen Wände, die überall verstreut lagen, waren mir zu schwer…