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Imogen Heap: Live in Concert im Stage Club Hamburg

Imogen Heap bei der Soundaufnahme für "Tidal"

Imogen Heap bei der Soundaufnahme für "Tidal"

Endlich war Imogen Heap nach Veröffentlichung ihres neuen Albums “Ellipse” im Sommer 2009 letzten Montag live on Tour in Hamburg. Im Stage Club an der neuen Flora. Ich bin bisher noch nicht dort gewesen, aber es hat mir sehr gut gefallen, schön klein und schick. Da sich keiner meiner Freunde gefunden hatte um mich zu begleiten, war ich also alleine dort. Deshalb führte mich der erste Weg nach Ankunft im Stage Club zur Bar, um mir dort ein großes Alster zu besorgen, mit dem ich dann an den Rand gesetzt habe.

Nun bin ich ja recht kurz geraten, weshalb ich es auf Konzerten vorziehe, in der ersten oder zweiten Reihe zu stehen (außer es gibt so etwas wie einen Rang, was aber im Stage Club natürlich nicht der Fall ist), da ich sonst nahezu nichts außer der Musik mitbekomme. Nachdem also ab zehn vor acht mehrere Leute begannen, sich vor die Bühne zu stellen, gab ich meine Jacke bei der Garderobe ab und platzierte mich ebenfalls günstig. Zumindest sah alles danach aus. Bis sich schräg vor mir ein Ein-Meter-Neunzig-Schrank in der ersten Reihe breit machte. Da frage ich mich immer, wieso sich solche Leute in die erste Reihe stellen müssen, wo sie doch sowieso über alle rübergucken können. Nachdem ich die erste Reihe dann ca. zehn Minuten observiert hatte, mogelte ich mich neben den Schrank direkt nach vorne. Er guckte zwar komisch, sagte aber nichts. Sonst hätte ich ihm auch was erzählt, da er locker zwei Köpfe größer war als ich und es deshalb keine Rolle spielte, ob ich schräg vor ihm stand oder nicht. Durch die Observation hatte ich ebenfalls bemerkt, dass das Mädel neben ihm alleine da war, wie einige andere Besucher und ich ebenfalls, und hab sie daraufhin einfach angeschnackt. So hatte ich während des Konzerts eine echt nette Gesprächspartnerin.

Was mir grundsätzlich beim Publikum auffiel, war das gemischte Alter. Es waren einige 40+ Leute vor Ort, bei denen ich nie gedacht hätte, dass sie solche Musik hören, als auch einige 20- Leute (meistens Typen) bei denen ich es ebenfalls nicht gedacht hätte. Der Großteil war aber tatsächlich zwischen 20 und 35.

Back Ted'n'Ted bei "The war is over"

Back Ted'n'Ted bei "The war is over"

Um zehn nach acht begann dann der Support von Back Ted ‘n’ Ted, einem hageren, rothaarigen Typen aus Arizona. Witzig ist im Stage Club, dass die Künstler quasi aus dem Publikum auf die Bühne kommen, da hinter der Bühne maximal Raum zum hinhocken ist – wo zwischendurch die Mitwirkenden von Immy verschwinden mussten zum warten – aber kein echter Backstage-Bereich. Back Ted ‘n’ Ted hat mir gut gefallen, Gitarre mit Loopeffekten kombiniert mit Elektro. Die Gitarre mit den Loops erinnerte mich sehr an Howie Day, bei dem habe ich das vor Jahren zum ersten Mal gesehen und war schwer beeindruckt. Bin auch immer noch Fan, aber der wird wohl mittelfristig eher nicht nach Europa kommen.

Half of Back Ted'n'Ted

Half of Back Ted'n'Ted

Aber zurück zu Ted. Vor mir auf der Bühne stand nicht nur ein riesiges Xylophon, sondern auch zwei drei Becken, von denen das größte mich die ganze Zeit davon abhielt, den Kopf von Back Ted ‘n’ Ted sehen zu können. Während seines Auftritts sah ich also die ganze Zeit seinen Körper nur vom Hals bis zum Anfang der Oberschenkel. Hat man sich mit diesem eingeschränkten Sichtbereich trotz erster Reihe abgefunden, bekommt man einen echt guten Blick für Details. So wüsste ich nicht, ob ich mich an sein Gesicht erinnern könnte, dafür haben sich mir die schwarzen 8er Tattoos auf beiden Unterarmen eingeprägt, sowie der Hosenreissverschluss, als auch seine mit roten Kreisen verzierte Fender-Gitarre. Als Anspieltipp von ihm würde ich “999 Buttons” und “Loose Control” empfehlen, gepostet habe ich ihr eine Liveversion von “The war is over”. Sein erstes Album erscheint übrigens Ende April, falls jemand Interesse haben sollte. Zu “The war is over” ist das Publikum echt gut abgegangen, vorne haben einige getanzt, und seine Performance dazu auf der Bühne war echt witzig.

Immy am Schlagzeug

Immy am Schlagzeug

Um kurz nach neun war dann Schluss, und zehn Minuten später kam Immy endlich auf die Bühne. Vorteilhaft für uns in der ersten Reihe war die Tatsache, dass wir die Playlist quasi vor unserer Nase hatten und deshalb ziemlich genau wussten, was uns erwartet und wie lange das Konzert gehen würde. Und mit meiner Schätzung von kurz nach Elf lag ich auch ziemlich richtig. Angefangen hat Immy mit “First train home”, wobei mir da zum ersten Mal klar wurde, dass dieser sphärische Ton, mit dem der Song beginnt, ein schwingendes Weinglas ist. Die Bühne war voll mit bekannten und unbekannten Instrumenten sowie alltäglichen Gegenständen, wie diesem Weinglas, die Immy zu Instrumenten macht. Es war wirklich toll. Dafür hat sie zwei kabellose Mikrofone dabei, die an ihre Handgelenke getapet sind und den Sound für Effekte und Loops genau dort einfangen, wo sie ihn erzeugt. Wie beispielsweise am Weinglas.

Die genaue Auflistung der Playlist erspare ich mir an dieser Stelle, es sei nur gesagt, dass fast alle Lieblingslieder von mir dabei waren und ich insgesamt sehr beeindruckt war, wie man diese Klangvielfalt live auf der Bühne umsetzen kann. Es waren mindestens zwei Instrumente dabei, die ich noch nie gesehen habe, geschweige denn davon gehört habe und den englischen Namen konnte ich mir leider auch nicht merken. Aber das macht auch nichts, Hauptsache die Musik ist schön. Und das war sie. Im Gegensatz zu anderen Live-Videos, in die ich vorher mal so bei YouTube reingesehen hatte, war Immy hier nur bei Piano-Songs alleine auf der Bühne und hatte sonst Unterstützung von zwei Männern und einer Frau, die Schlagzeug/Cello/Geige/Xylophon/Becken/… bedient haben, als auch bei zwei drei Songs von Back Ted ‘n’ Ted an der Gitarre. So entspann sich bei ihren Liedern auch live diese unglaubliche Soundvielfalt, bei der man sonst nie genau weiß, wie sie nun im Endeffekt entstanden ist.

Imogen Heap bei "Half life" am Piano

Imogen Heap bei "Half life" am Piano

Immy macht Sound mit Plastikschläuchen

Immy macht Sound mit Plastikschläuchen

Wunderbar fand ich, dass das gesamte Publikum bei zwei Titeln komplett mitgemacht hat. Das war einmal bei “Just for now”, wo wir die Loops gesungen und geklatscht haben und Immy den eigentlichen Text performt hat, ohne weitere Instrumente oder Unterstützung. Wahnsinnig starker Auftritt, tolle Atmosphäre im Publikum. Und der zweite Song war “Hide and Seek”, die erste Zugabe von Immy, bei der das Publikum auch einfach weiter gesungen hat, als sie kurz aus dem Konzept kam wegen einer leichten Erkältung. Überhaupt hat man an den vielen Mit-Singern im Publikum gemerkt, dass sehr viele begeisterte Fans dort waren, die so gut wie alle Texte auswendig kannten. Es war einfach eine wahnsinnig starke Performance von einer extrem begabten Sängerin und Künstlerin. Die kleinen Geschichten zwischen den Songs erzeugten eine wirklich persönliche Atmosphäre, die natürlich durch die kleine Location selbst sehr unterstützt wurde. Immy hat angekündigt, im Herbst nochmal wieder zu kommen. Ich bin auf jeden Fall dabei.

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