Dino-diy-173x199-4

Reisebericht Gran Canaria I – Die ersten drei Tage

Typische Kakteen auf Gran Canaria

Typische Kakteen auf Gran Canaria

Kakteenbewachsene Felsmassive, wüstenartige Dünen, überall bunte Bougainvillaen und türkise Atlantikbuchten, das war für uns Gran Canaria. Und natürlich noch einiges mehr. Auf dem Hinflug saßen wir in einem echten Seniorenbomber. Schon eine halbe Stunde vor dem Boarding wurde vor den Schaltern getrampelt, obwohl noch niemand von der Fluggesellschaft zu sehen war. Aber das ist ein anderes Thema, auf das ich voraussichtlich in einem Extra-Beitrag noch eingehen werde. Auf jeden Fall staute sich alles vor dem Eingang zum Flugzeug, weil jeder erst noch mit seinem Handgepäck herumtüddeln musste. Aber nachdem wir als letzte dann auch endlich drin waren, gings auch schon los. Aufgrund der Halloweenparty am Abend zuvor waren wir etwas verkatert und ich auch noch leicht nervös aufgrund des Platzmangels, was sich letztendlich darin äußerte, dass ich nicht richtig schlafen konnte und mein rechtes Bein immerzu extrem gezuckt hat. Restless Legs Syndrom lässt grüßen. Möchte nicht wissen, was die ältere Dame neben mir gedacht hat. Wahrscheinlich irgendwas mit versteckten Aggressionen, denn sie hatte mir nach dem Essen, was aus geschmacklich schlecht definierbarer Pasta, einem gräulichen Stück Brötchen, was schon beim Ansehen zu Staub zerfiel und einem Exquisa-Käsekuchen bestand, noch ihr Brötchen angeboten. Wahrscheinlich um mich und mein ständig nach oben zuckendes Bein zu beruhigen, nachdem ich mich vorher lautstark über das Essen und die Portionsgröße beschwert hatte. Allerdings hätte es dafür schon deutlich mehr als ein trockenes Brötchen gebraucht. Auf dem Hinflug wurde uns dann auch noch der Film “500 Days of Summer” präsentiert, einer der schlechtesten Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Reicht allerdings immer noch nicht an “Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe heran”, das absolute Filmdesaster dieses Jahres.

Einleben und zurechtfinden

Angekommen auf dem Flughafen auf Gran Canaria wurde nach der Ansprache des Kapitäns erst geklatscht, dann sprangen alle Mitreisenden natürlich schon auf, bevor der Flieger überhaupt stand, um ihr ganzes Handgepäck wieder zusammen zu suchen. Nachdem es so viele Witze darüber gibt, und das seit Jahren, verstehe ich einfach nicht, warum Leute immer noch im Flieger klatschen. Ganz ehrlich, wenn mich ein Buschpilot trotz ausgefallenem Triebwerk und Taifun auf einer grünen Fläche inmitten lauter Urwald sicher auf den Boden bringt, dann würde ich eventuell auch klatschen, wenn ich vor lauter Übelkeit aufgrund der Anspannung und Turbulenzen überhaupt noch die Kraft dazu hätte. Aber in einem Charterflieger sehe ich dazu keine Notwendigkeit. Dafür erwartete uns dann lang erwartete Sommerwärme bei Verlassen des Flughafens. 31 Grad und blauer Himmel. Wir waren natürlich viel zu warm angezogen und der Bus wartete schon, um uns in unser Domizil für die folgenden zehn Tage zu bringen. Auf der Strecke von Telde bis Playa del Ingles sieht man die deprimierendste Seite von Gran Canaria, bestehend aus Geröllbergen, Windrädern und großen Warenlagern. Je näher man Playa del Ingles kam, desto mehr Kakteen bewuchsen das Geröll. Da wir am 01. November angekommen sind, sprich Allerheiligen, bin im katholischen Spanien davon ausgegangen, dass keine Läden aufhaben. Aber für Touristenorte scheint diese Regel nicht zu gelten, denn alle kleinen Supermärkte hatten selbstverständlich geöffnet. Und zu unserer großen Verwunderung wollten tatsächlich alle mitreisenden Busgäste auch in unsere Bungalowanlage, was zu erneutem Stau an der Rezeption führte. Wir bekamen dann als letze, weil wir uns gemütlich draußen zum Warten hingesetzt hatten, den Bungalow Nummer 82 zugewiesen. Und dann hieß es natürlich erstmal alles inspizieren, frisch machen, umziehen, auf die Terrasse setzen, entspannen, einkaufen. Wasser darf man dort aufgrund des hohen Chlorgehalts auf keinen Fall aus der Leitung trinken oder zum (Kaffee-)Kochen nehmen, dafür gibt es aber in den Supermärkten 8-Liter-Plastikbottiche mit stillem Wasser für nur 1,50 Euro.

Blick von Playa del Ingles nach San Fernando

Blick von Playa del Ingles nach San Fernando


Abends haben wir uns dann nach Sonnenuntergang – jeden Abend um 19 Uhr – auf den Weg zur Strandpromenade gemacht, um einen ersten Blick auf unseren zukünftigen Badestrand zu werfen und eine Ess-Möglichkeit zu finden. Der Weg von unserer Bungalowanlage bis zum Strand dauerte nicht einmal 10 Minuten zu Fuss. Allerdings musste man am Ende des Weges jedesmal genau 98 Stufen runter- bzw. hochsteigen, da die Promenade sehr weit oberhalb des eigentlichen Strandes verläuft. Am ersten Abend haben wir uns das aber gespart und sind stattdessen nach einem kleinen Spaziergang im Center Tropical gelandet, wo wir uns dann auch aufgrund knurrender Mägen und eines etwas aufdringlichen Kellners ins erstbeste Restaurant gesetzt haben. Immerhin mit Blick über den Atlantik und spanischer Keyboard-Livemusik inklusive angegrautem Sänger. Aber eben auch mit gefühlten hundert Plätzen und 20 Kellnern, so dass sich leicht ein Gefühl von Massenabfertigung einstellen konnte. Die Karte umfasste so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann. Für uns gabs dann Knoblauchbrot, Papas Bravas con Mojo (was unser zukünftiges Essen der nächsten zehn Tage werden sollte), Pasta mit Meeresfrüchten und Chorizos mit Folienkartoffel. Papas Bravas con Mojo, auch Papas Arrugadas genannt, sind kleine Pellkartoffeln, die in extrem stark gesalzenem Wasser gekocht werden, angeblich auch direkt mit Meerwasser. Dadurch verschrumpelt die Schale und es bilden sich weiße Salzkristalle drauf, diese wird auf keinen Fall abgeschält, sondern mitgegessen. Und dazu gibts Mojo (Sauce), entweder picante (scharf) oder suave (mild) oder verde, also grün mit Kräutern. Auf jeden Fall mit sehr viel Knoblauch. Ich glaube, soviel Knoblauch wie in den zehn Tagen Gran Canaria habe ich lange nicht durchgehend zu mir genommen.
Auf dem Weg durch Playa del Ingles fielen uns überall an den Strassen festgekettete Waagen auf, die man angeblich mithilfe von 50 Cent auch hätte nutzen können. Wir haben uns nur gefragt wofür genau…
Waage in Playa del Ingles

Waage in Playa del Ingles

Atlantikbrandung und Flugsand

Am nächsten Morgen war wieder strahlendblauer Himmel. Im Supermarkt ums Eck haben wir wir erstmal Wein, Schnaps, Croissants sowie Aufschnitt und Marmelade geholt. Und neue Badelatschen für den Herrn der Schöpfung, die uns aufgrund ihrer einmaligen Geräuschkulisse das Radio für die nächsten zehn Tage ersetzt haben. Vormittags um elf war Begrüßungsveranstaltung von unserem Reiseveranstalter und ich wollte unbedingt einen Segelausflug buchen. Bei dieser einstündigen Veranstaltung wurden wir dann über alle möglichen Ärgernisse vor Ort (Kakerlaken, Armband-Frauen, Time-Sharing. etc.) sowie die Services der TUI aufgeklärt. Und nachdem die Dame uns erklärt hatte, was auf einzelnen Ausflügen so alles gemacht wird, war für uns klar, dass wir zwei Tage später den Tagesausflug auf dem Katamaran machen wollten. Schließlich hatten wir unseren Mietwagen nur für fünf Tage gebucht und konnten die Tage davor auch noch gut für solche Sachen nutzen. Mittags gings dann endlich zum ersten Mal an den Strand. Starker auflandiger Wind blies den feinen Sand ziemlich stark über den Strand, weshalb wir uns zwei Strandliegen und einen Schirm hinter einem Sandschutz gemietet haben. Kostet nicht die Welt und die Bequemlichkeit siegte halt meistens. Die Brandung vom Atlantik war wirklich wahnsinnig toll. Da wird das Baden zum Workout, wenn alle drei Sekunden eine hohe Welle kommt, manchmal auch drei bis fünf direkt hintereinander, und man immerzu in Bewegung bleiben muss. Die Fahne am bewachten Strand war auch alle zehn Tage lang gelb, nie grün. Aber glücklicherweise auch nie rot.

Morgenstimmung auf unserer Terasse

Morgenstimmung auf unserer Terasse


Beim zweiten Mal Baden hat es mich zum ersten Mal im Leben ereilt: ein Wadenkrampf im Wasser. Zum Glück war ich nicht alleine, sonst hätte ich bei dem Wellengang und den Schmerzen ein echtes Problem gehabt, wieder ins flache Wasser zu kommen. Abends haben wir dann in einer – wie ich dachte “echten” – Tapas Bar gegessen, deren Kellner und Besitzer sich aber als Engländer herausstellten. Das Essen war aber trotzdem ganz gut, herausragend ist allerdings was anderes. Wir hatten gebackenen Queso de Flor mit Tomatenmarmelade, Papas Bravas und Calamares. Im Bungalow gabs dann zum Abschluss noch lecker Honigrum. An diesem Abend hatten wir auch das erste und letzte Mal Besuch von Sammy, einer Kakerlake mit einem verkürzten Fühler auf der linken Seite, die die Nacht unter Glas verbringen musste, bis wir sie am Morgen bei Tageslicht draußen in Nachbars Hibiskus-Busch wieder ausgesetzt haben. Daraufhin hat Sammy dann nochmal mit Anlauf versucht, auf unsere Terrasse zu kommen, scheiterte aber an der geistesgegenwärtig in Position gebrachten Badelatsche, die ihm als improvisierter Tennisschläger einen gehörigen Brummschädel und uns endlich Ruhe beschert hat. Apropos Ruhe, so schön unsere Bungalowanlage auch war, man bekommt die abendliche Poolbespaßung der angrenzenden Hotels ziemlich gut mit. Einen Abend haben sie dort Grease nachgespielt, einen anderen Abend gabs nur spanische Livemusik, aber jeden Abend kurz nach Sonnenuntergang war Kinderbespaßung. Aber uns hat es ehrlich gesagt nicht besonders gestört.

“Bei Essenssachen, Qualität ist das Erste!”

Der nächste Tag lief im Grunde nach demselben Schema. Nur das wir schon am frühen Nachmittag nach ca. drei Stunden Strand aufgrund des starken Windes in Verbindung mit Flugsand den Rückzug angetreten haben. Stattdessen haben wir endlich mal einen Lebensmitteleinkauf gemacht, mit Fisch für 3 Euro das Kilo und vielen kleinen Kartoffeln plus Mojo. Und wir sind durch die Läden getingelt um uns die Preise anzusehen, da die Kanaren ja Freihandelszone sind und deshalb diverse Güter deutlich günstiger verkauft werden als anderswo. Parfüm ist dort wirklich sehr viel günstiger. Zigaretten sowieso, bei Alkoholika waren wir uns allerdings etwas uneins. Da hätte man vorher wirklich mal Preise vergleichen müssen. Diesen Abend wollten wir auch noch einmal essen gehen und sind – nachdem wir von ungefähr zehn Leuten angesprochen wurden – im El Gaucho gelandet, im Zentrum Kasba. Wirklich sehr empfehlenswert. Tolle Einrichtung mit Flair, erstklassiges Essen zu normalen Preisen. Diesen Abend gab es für uns nach einem gemischten Vorspeisenteller Lammkoteletts vom Grill und Kaninchen in kanarischer Soße, jeweils mit Papas Bravas als Beilage. Beides war wirklich sehr gut. Der Werbespruch von El Gaucho lautet übrigens: Bei Essenssachen, Qualität ist das Erste!” Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

El Gaucho im Center Kasbah

El Gaucho im Center Kasbah


Auf dem Rückweg sind wir dann auch von einer Time-Sharing-Dame angesprochen worden, zumindest nehmen wir das an. Denn es ging um eine Promotion-Aktion, allerdings erst ab 30 Jahren. Falls das keiner kennt: im Süden werden die vielen Touristen oft mit diesen Angeboten belästigt, die sich aber vorab als Gewinnspiel-Aktion tarnen. Dabei gewinnt man dann tatsächlich eine Flasche Sekt oder was auch immer und wird auf einen kleinen Ausflug eingeladen. Dieser führt dann in eine Time-Sharing-Anlage, in der man ein bis zwei Stunden oder auch den ganzen Tag solange belabert wird, bis man sich mit einem Vertrag das lebenslange Anrecht auf die Nutzung eines Appartements für wenige Wochen im Jahr erkauft. Natürlich ist das ein Geldgrab und aus diesem Vertrag kommt man nicht wieder raus. Aber sie wollen sich natürlich die Leute rauspicken, die Geld haben, und die sind selten unter 30 Jahren alt. Das ist die eine nervige Taktik, die uns aber nur zweimal begegnet ist.
Das andere sind die Leute, die einen in Restaurants und Diskotheken locken wollen. Das hat mich persönlich dermaßen genervt, dass ich keine Lust mehr hatte, abends in eines von den Centern zu gehen. Wäre für mich auch ein großer Grund dafür, das nächste Mal in einen anderen Ort zu fahren, denn sie tummeln sich wirklich hauptsächlich nur in Playa del Ingles. Geht man zu Fuß einen belebten Weg durch oder an den Centern entlang, sind ein Drittel dieser Menschen solche Angestellte, die dich in ihre Lokalität bringen wollen oder dir irgendwelche Ausflüge oder ähnliches Andrehen wollen. Was ich auf dem Kiez in Hamburg als sympathisch und typisch empfinde, wobei es dort auch nur noch vier bis fünf solcher Koberer gibt, fand ich in Playa del Ingles ehrlich gesagt ziemlich furchtbar. Sie lassen dort auch nicht locker, also einmal nein sagen reicht nicht aus, sondern sie fühlen sich dann eher noch angespornt, dich von den Vorteilen ihres Ladens zu überzeugen. Viele sehen das sicher entspannter als ich, aber ich persönlich empfinde so etwas genauso wie permanentes Ansprechen in Geschäften als zu aufdringlich.
Abendstimmung am Strand

Abendstimmung am Strand

Share and Enjoy: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • del.icio.us
  • StumbleUpon
  • Reddit
  • Bloglines
  • De.lirio.us
  • email
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Linkarchiv
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Live-MSN
  • MySpace
  • SEOigg
  • Technorati
  • TwitThis

Leave a Reply

 

 

 

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>