Ohrwurm Oktober: David Gray - Full Steam

David Gray ist vielen dank seinem sehr erfolgreichen Album “White Ladder” sicherlich ein Begriff. Doch dies ist zehn Jahre her und es folgten ein weiteres, etwas weniger erfolgreiches Album und eine lange Pause. Doch seit Mitte September ist David Gray wieder da, mit einem neuen Album namens “Draw the line”, neuem Klang und neuen Texten. Die komplette Band wurde erneuert, ein neuer rockiger Sound gefunden und man merkt diesem Album die Freude, die der Singer/Songwriter dabei hatte, sichtlich an.

“Full Steam” bildet das pathetische Finale dieses Albums, ein Duett mit viel Drive und großem Hymnenpotential mit der “Grande Dame” Annie Lennox, deren Stimme wirklich wahnsinnig gut zu David passt. Die Musik passt zum Herbst, der Text perfekt in unsere heutige Zeit, was will man mehr… ?!

All our lives we’ve dreamed about it
Just to find that it was never real
This sure ain’t no great Valhalla
Coming closer each turn of the wheel
Forlorn, adrift on seas of beige
In this our Golden Age
Even in our darkest hour
Never thought that it could get so bad
Bullied, suckered, pimped and patronised
Every day your tawdry little lives
So loose your head
And step within
The silence deafening
Now you saw it coming
And I saw it coming
We all saw it coming
But we still bought it
You saw it coming
And I saw it coming but still
Running full steam ahead

Das ganze Album lohnt sich natürlich. Es unterscheidet sich von “White Ladder” insofern, dass hier kaum Elektronik zum Einsatz kommt, wie beispielsweise bei einem meiner persönlichen Klassiker “Please forgive me”. Und wer gute, handgemachte Musik mit anspruchsvollen Texten zu schätzen weiß, wird David Gray entweder sowieso schon kennen oder ihn eben kennen- und schätzen lernen. ;)

Die erste Single aus “Draw the line” ist “Fugitive”. Ein Song darüber, wie wir heutzutage mit Informationen und Dingen zugeschüttet werden, die wir nicht brauchen, die uns krank machen und die man sowieso nicht mitnehmen kann, wenn der endgültige Schlusspfiff naht. Dieser Gedankengang an sich ist natürlich nicht neu, aber selten war er musikalisch so gut verpackt.

Is the answer none of the above
Crouched in a whole like a mud-streaked fugitive
And everyday a different version of
Pourin’ it away like a water through a sieve
Hey better realize my friend
Love in the end now you can’t take it well
Gotta live
If only for a second
I see a twinklin’ in your eye
Gotta try

Interessant finde ich, dass David Gray in Interviews immer wieder sagt, dass er es nicht gut findet, wenn Musiker auch Politik machen. Seiner Meinung nach sollten die Musiker Musik machen und die Wissenschaftler und Politiker den Job haben, auf Gefahren und Lösungen hinzuweisen. Abgesehen davon, dass er für solche Auftritte seiner Meinung nach sowieso kein Talent hätte. Grundsätzlich hat er ja Recht, so nach dem Motto Schuster bleib bei deinen Leisten. Andererseits halte ich es trotzdem immer noch für richtig und wichtig, wenn auch Musiker ihre Berühmtheit und exponierte Stellung in der Öffentlichkeit dafür nutzen, auf Missstände aufmerksam zu machen, seien sie nun menschlicher oder ökologischer Natur. Natürlich sind Programme wie “Stoppt die Armut” vom Anspruch her sehr überzogen. Aber ich glaube trotzdem, dass auch Künstler sehr viel Gutes in dieser Richtung bewegt haben und bewegen können. Ob sie dafür nun Talent haben oder nicht. Manche sagen auch, es käme einer Verpflichtung gleich, sich auch für uneigennützige Dinge einzusetzen, wenn man die Möglichkeiten dazu hat. So weit würde ich jetzt nicht gehen. Wo ich aber David Gray völlig zustimme ist dieses Zitat aus einem Interview auf laut.de:

Ich glaube, dass die regierenden Politiker sehr verängstigt sind. Sie trauen den Menschen nichts zu. Wir wissen, dass die Welt im Arsch ist. Es bräuchte radikale Veränderungen unserer Verkehrssysteme, radikale Veränderungen unserer Art zu essen und zu leben. Die Leute würden viel mehr Reformen akzeptieren, als die Regierungen im Moment veranlassen. Die sind aber im freien Markt und seinen ausbeuterischen Bestimmungen gefangen. Das ist wie ein Gefängnis.

Wo er recht hat, hat er recht.

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