
Aussicht von der Bergrast
08.15 Frühstück. Große Taten erwarten uns, deshalb das frühe Aufstehen. Wollen große Runde zum Radlsee und zurück machen. Beim Frühstück aufgrund des bedeckten Himmels allerdings erstmal Diskussion übers Wetter, und ob wir nicht stattdessen nach Bozen zum Shoppen fahren.
08.45 Entschluss steht fest, es geht hoch zum Radlsee. Also wieder hoch ins Zimmer, umziehen, Rucksack packen und alles fertig machen.
09.30 Lassen uns von Adolf mit dem Jeep hoch zum Masitter fahren. Wollen von dort aus losgehen, das spart uns eine Stunde blöden Aufstieg durch die felsige Rinne. Mir soll’s recht sein.
10.00 Start am Masitter. Gehen erstmal genau denselben Weg durch das Ameisenland wie gestern. Trotz nächtlichen Gewitters ziehen die Ameisen unermüdlich ihre Bahnen. Frage mich, wie sich so ein Regen wohl auf einen Ameisenhaufen auswirkt.
10.10 Muss an das Buch “Ameisen” denken, wo auch Kriege zwischen einzelnen Ameisenvölkern ausgefochten werden. Zwischendurch auf dem Weg immer wieder kleine und große Pilze, die frisch durch das Gewitter und die nun folgende Wärme wachsen. Sammeln diesmal aber keine.
10.15 Betreten eine Lichtung. Ich denke kurz an Außerirdische, stelle aber beim zweiten Blick fest, dass es sich nur um einen Imker an seinem Imkerwagen handelt, der dort den Honig rausholt.

Louis und die außerirdischen Super-Bienen
10.30 Langsam wird’s anstrengend.
10.45 Kommen auf eine Forstlichtung. Erstmal was trinken, kurz stehenbleiben und die Aussicht genießen. Jetzt soll das steile Waldstück beginnen.

Always follow the red dot!
11.00 Langsam, Schritt für Schritt, geht’s steil nach oben. Stelle mal wieder fest, dass sich sowas leider fotografisch nicht adäquat festhalten lässt. Irgendwie kommt mir die Strecke bekannt vor. War aber angeblich noch nie hier.
11.15 Wieder Trinkpause. Trinken ist sehr wichtig.

Ein Herzpilz. Wie schön.
11.20 Gucke immer wieder nach oben und hoffe endlich auf die ersehnte Baumgrenze. Nicht, dass es dann weniger steil wäre. Aber es hieße, dass ein gutes Stück geschafft ist.
11.25 Bei jeder kleinen Lichtung beschlägt meine Brille. Man merkt richtig, wie man den Dunst von Wald und Wiese einatmet, der hier durch die Sonneneinstrahlung nach oben steigt.

Steil durch den Wald nach oben
11.30 Anstrengend!!!
11.40 Baumgrenze erreicht. Haben damit 500 Höhenmeter geschafft. Kommt einem immer viel viel länger vor, als es eigentlich ist.

Blick über die Bäume ins Eisacktal
12.00 Erstmal Bergvesper mit Schinkenbrötchen und Studentenfutter bei wunderschöner Aussicht in strahlender Sonne. Das Fleckchen hier oben nennt sich Pluner Rast. Das Kreuz beim Radlsee scheint noch Stunden entfernt. Aber angeblich gehen wir jetzt immer auf dem Grat auf und ab.
12.10 Es riecht nach Sauna. Werde aufgeklärt, dass es an den Latschenkiefern liegt, die hier wachsen.

Latschenkiefern
12.15 Entdecken freistehenden Felsen, an dem man wunderbar klettern könnte. Als mögliche Routennamen fallen mir ein: “Verdiene dir die Schlutzkrapfen”/6+, “Hummelflug”/5 und “Glockenblümelein”/3. Aber das ist alles noch nicht ausgegoren.
12.20 Fotografiere zwischendurch immer wieder Glockenblumen und andere Gewächse, die wohl nur hier oben wachsen.

Wenn man ganz genau hinhört, kann man sie im Vorbeigehen leise und hell klingeln hören.
12.30 Auf und ab gehts auf dem Grat, man kann in fast drei Täler gleichzeitig gucken.
12.35 Lauter bewegungsunfähige Hummeln liegen immer wieder auf unserem Pfad. Zu Kalt? Kann eigentlich nicht sein. Hummelsterben? Hm.
12.40 Schatten. Eine einzige aufgetürmte Wolke über dem Berg, die sich aufgrund der Luftströmungen aus dem Tal auch immer wieder von unten aufbaut. Leider ist hier oben nicht genug Wind, der sie wegpusten kann. Und wir bleiben jetzt den Rest des Weges in diesem Schatten. Grmpf.
12.57 Ankunft am Wegkreuz unterhalb des Hundskopf. Ich mache mich schonmal auf den Weg nach oben, während Papa mir noch hinterherruft, dass es dort oben fast wie auf dem Himalaya sei. Wegen der Steinmännchen. Auch Steinmandl genannt.

Schütze uns Maria. Wie heisst das noch, wenn man sich aus Versehen selbst fotografiert?
13.05 Hundskopf. Versuche ganz doll, mich wie auf dem Himalaya zu fühlen. Stelle mir vor, wir wären Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay, was mir aufgrund der Sonnenbrille von Papa gar nicht so schwerfällt. Denn die sieht mit ein bißchen Fantasie so aus wie die Brille von Hillary auf dem berühmten Foto.

Steinmandl zeigen den Weg an
13.07 Spüre die Kälte des Himalaya und ziehe mir erstmal meine Jacke an. Die langen Hosenbeine kommen auch wieder dran. Hier oben weht vor allem unter der Schattenwolke ein frisches Lüftchen.

Es ist kalt.
13.10 Statt direkt hinunter zur Hütte zu gehen, beschließen wir erst die Gipfel oben herum abzulaufen. Denn wenn man einmal sitzt, rafft man sich nicht wieder auf. Habe trotzdem unheimlich dollen Hunger.
13.20 Finde es immer wieder erstaunlich, dass auch die Kühe auf einer solchen Höhe weiden.
13.35 Königsanger. Hier wird erstmal die Aussicht genossen. Ein Rund aus Metall erklärt einem, wo welche Gipfel liegen und wie hoch sie sind.

Blick vom Aussichtspunkt auf dem Gipfel auf das Kreuz
13.40 Erstmal ins Gipfelbuch eintragen. Muss ja schließlich alles seine Ordnung haben.
14.00 Endlich auf der Hütte angekommen. Mein Magen hängt mir mittlerweile wirklich in den Kniekehlen. Erstmal kaltes Radler ordern, dann Speisekarte studieren.

Hütte mit Radlsee. Es badeten sogar welche. Trotz Schattenwolke.
14.05 Kann mich wieder nicht zwischen süß und herzhaft entscheiden. Deshalb nehme ich erstmal die Hüttennudeln und danach teile ich mir mit Papa noch den Topfenschmarrn. Guter Deal.
14.15 Hüttennudeln kommen.

Große Portion
14.30 Topfenschmarrn mit Macchiato kommt.

Lecker lecker!
14.45 Ich kann mich eigentlich nicht mehr bewegen. Überlege kurz, hier oben auf der Hütte sitzenzubleiben, bis die Verdauung zum größten Teil abgeschlossen ist.
14.50 Hüttenwirt will uns Schnaps anbieten. Ich lehne ab, weil ich so ein scharfes Zeug nicht mag. Ich frage nach etwas süßem und meine damit eigentlich eher einen Kräuterlikör oder so. Bekomme aber stattdessen Honigschnaps. Bah. Da überdeckt die Süße die Schärfe vom Schnaps aber auch nur unzureichend. Gebe das Glas nach einem Schluck weiter.
15.00 Nun gehts den kurzen Weg wieder runter. Ich kann nur noch schlecht gehen, bin zu vollgefressen.
15.10 Muss immerzu von dem Schnaps aufstoßen. Eklig! Ärgere mich schon wieder über mich selber, dass ich nicht einfach nein gesagt habe.
15.15 Sehr dicker, halbnackter Mann mit Hund kommt uns bei unserem Abstieg entgegen. Mutig, mutig. Meine Knie tun wieder weh.
15.20 So langsam geht das Laufen auch wieder flüssiger. Irgendwie bin ich beim Abstieg fast noch langsamer als beim Hochgehen, weil ich immerzu Angst habe, auszurutschen und zu fallen. Jeder Schritt muss sitzen. Und das dauert bei mir eben. Sehe mich in Gedanken mit Blumen im Haar eine steile Wiese einfach hinunterlaufen, ohne Nachdenken und ohne auf den Boden zu gucken. Alles ist schön, bis ich dann den Abhang am Ende der Wiese herunterfalle. Da konzentriere ich mich doch lieber auf den Weg, der hier vor mir liegt.
15.45 Sind nun wieder im Wald und kommen an eine kalte Quelle mit Tisch und Bank. Erstmal kaltes Wasser trinken und die warmen Klamotten wieder loswerden. Die Sonne knallt. Irgendwer hat vor Monaten eine Plastiktüte mit Bierflaschen in der Quelle versenkt, wahrscheinlich damit sie kalt bleiben. Ich bin ja nicht so und lasse weiterhin alle Bierflaschen da, wo sie sind.

Frische und eiskalte Quelle
17.30 Parkplatz Perlunger erreicht. Hoffen auf kaltes Bierchen beim Zehre-Bauern. Abstieg aufgrund der steinigen Rinne wieder quer durch den Wald. Meine Knie schmerzen immer mehr, mein Tritt wird unsicher. Zu allem Übel knicke ich deshalb noch mit dem Knöchel um. Aber: Zähne zusammenbeißen und weiter gehts.
17.45 Zehre-Bauer ist nicht da. Also weiter zu Adolf.
18.00 Als ich schon fast denke, also drei Schritte noch und deine Beine und Knie geben einfach ihren Geist auf, sind wir endlich wieder da. Erstmal sitzen. Und großes Radler trinken.
19.30 Verzichte beim Abendessen auf den Hauptgang. Die Hüttennudeln liegen mir immer noch recht schwer im Magen.
20.30 Während wir vorne auf der Terasse noch unseren Rotwein trinken, stelle ich fest, dass mich irgendein Insekt in die rechte Kniekehle gestochen hat. Habe aber den Stich gar nicht gemerkt. Nunja. Morgen erstmal Ruhetag.






















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