
Wegkreuz am Masitter
08.45 Frühstück. Kann irgendwie nicht länger schlafen. Wetter ist wieder bombastisch.
09.30 Papa fährt Auto runter nach Brixen zur Reparatur. Bitte ihn, mir ein Duschgel mitzubringen, da meins alle ist. Um ihm die Auswahl bei den Frauenduschgels leichter zu machen, sage ich: bitte eins von Nivea. Nutze den Vormittag dann wieder zum Sonnenbad auf dem Balkon.
10.00 Liegestuhl so rücken, dass vor allem meine rechte Seite besonnt wird.
10.30 Dösen.
11.00 Zeit Magazin lesen.
12.00 Die Sonne brennt.
12.30 Keine Lust mehr auf Sonne. Nehme Laptop und Kamera und will es mir unten vorm Haus auf einer schattigen Bank bequem machen.
12.34 Blick in den Spiegel beweist: Besonnung hatte nicht den gewünschten Effekt. Leider ist alles auf der linken Seite immer noch stärker betroffen als auf der rechten. Aber egal, fällt außer mir sicherlich eh keinem auf.
12.36 Erstmal Brötchen essen.
13.00 Endlich unten mit Laptop eingerichtet. Da kommt Papa um die Ecke. Trinken ein Radler zusammen, er überredet mich zu einer “kleinen Tour” oberhalb des Plonerhofs. Dann übergibt er mir mein Duschgel: Nivea for Men “Cool Kick”. Finde mich damit ab, den Rest der Woche wie ein Mann zu riechen.
13.15 Sachen wieder zusammengepackt und im Zimmer verstaut. Prozedur von gestern nachmittag wiederholt sich.
14.00 Los gehts über den Pfad hinterm Haus Richtung Schauderstal.
14.30 Erste Trink-Pause. 200 Höhenmeter sind geschafft.
14.45 Ich daddel immer gemütlich hinter Papa her. Fühle mich sicher, Hornissen sind keine zu hören. Bleibe zwischendurch immer mal stehen zum Lauschen.
14.50 Erste Sichtung von Pifferlingen. Kurze Zeit später zum zweiten Mal Pfifferlinge gesehen.
15.00 Es geht auf und ab, über unterschiedliche Pfade wieder Richtung Masitter.
15.15 Nehmen mal wieder eine von Papas berühmten Abkürzungen. Diesmal geht alles gut, stoßen erneut auf große Ansammlung von Pfifferlingen. Beschließen jetzt trotz Tütenmangel, die Pilze zu sammeln.
15.30 Auf und ab über Stock und Stein führt uns der Pfad über eine Himbeerwiese. Blaubeeren nasche ich auch recht viele. Denke zwar noch kurz an den Fuchsbandwurm und einen schmerzlichen Tod durch eine von Maden zerfressene Leber, aber esse die Beeren dann doch alle.
15.40 Durch das ständige Gucken nach Pilzen konzentriere ich mich nicht mehr auf den Pfad vor mir. Stolpergefahr steigt erheblich. Denke an meine Schallplatte zu Kinderzeiten, als Herr Fuchs den Riesenpilz findet, aber Maunz und Hoppel ihn vor ihm fällen und ins Naturkundemuseum von Meister Uhu bringen. Er rächt sich aber dafür. Also Herr Fuchs.
15.45 Auf dem Pfad hoch zum Masitter große Ansammlung von kleinen Walderdbeeren. Mache beim Anstieg erstmal wieder kurze Pause zum Naschen und Fotografieren.

Meins, meins, meins, meins, ...
16.00 Oben angekommen. Pause mit Studentenfutter und Schokolade auf der Bank vom Masitter. Eigentlich soll es jetzt auch nur noch zum Pelungerhof gehen und von da aus wieder runter zum Plonerhof.
16.15 Auf unserem Pfad – natürlich einem anderen als gestern, denn bequem an der Strasse langgehen ist unschön – befindet sich eine vielbenutzte Ameisenstrasse. Nahezu kahl und völlig ohne Tannennadeln erinnert dieser dunkle, ca. 15 Zentimeter breite Streifen an eine achtspurige Autobahn für große, schwarze Waldameisen.
16.25 Immer wieder befinden sich an unserem Pfad große Ameisenhügel. Um uns herum wuseln sie überall auf dem Boden herum. Wir bleiben auch deshalb bei einem schönen Aussichtspunkt nur kurz stehen, weil sie sofort anfangen, an einem hochzukrabbeln.

Das New York der Ameisen
16.30 Entdecke am Wegesrand – wie so oft den ganzen Weg über – wieder Pfifferlinge. Ameisen in dem Moment egal, alles was zählt, sind die Pilze. Überstehe das Pflücken ohne großen Zwischenfall. Denke daran, ob wohl die heimlichen Herrscher unseres Planeten die Ameisen sind. Die uns Menschen nur dulden oder womöglich mit uns experimentieren.
17.00 Ankunft Perlunger Parkplatz. Verlassen nun das Ameisenland.
17.05 Auf dem Weg runter zum Plonerhof laufen wir querfeldein durch den Wald, weil hier der Boden weicher ist und die steinige Rinne, genannt Weg, so schlecht zu laufen ist. Boden fällt steil ab, ich denke schon wieder nur ans Ausrutschen und Hinunterkullern. Frage mich kurz, warum ich das eigentlich schon wieder mitmache. Aber es geht alles gut und wir haben viel vom richtigen Weg durch diese Abkürzung gespart.
17.15 Entdecken Skelett-Teile im Wald. Haben Ähnlichkeit mit einer Wirbelsäule, wird wohl vom Schaf oder ähnlichem stammen. Denke kurz darüber nach, wie sich mein Skelett wohl im Wald machen würde.
17.30 Ankunft beim Zehre-Bauern kurz oberhalb vom Plonerhof. Der winkt, wir setzen uns draußen mit auf die Bank und trinken erstmal ein Bierchen. Italienischer Gast erzählt von billigem Benzin und macht mich auf meinen Sonnenbrand im Gesicht aufmerksam. Ich nicke bestätigend, verkneife mir aber einen Hinweis auf die unsymmetrische Verteilung. Fünfzehn Minuten später verlassen wir die Runde wieder, denn wir müssen ja unsere Pfifferlinge an den Mann bringen.
17.40 Ankunft Plonerhof. Papa erzählt große Stories von unserem Pfifferlingsweg, gesammelt haben wir im Endeffekt ca. drei bis vier Hände voll. Davon soll es am nächsten Tag Risotto geben. Jetzt erstmal ein kühles Radler, dann unter die Dusche und Abendbrot. Unter anderem gibt es Schlutzkrapfen in brauner Butter mit frischem Schnittlauch. Zum Reinlegen gut.
20.30 Auf dem Weg hoch ins Zimmer und wieder runter stelle ich fest, mein linkes Knie schmerzt. Komme kaum die Treppe wieder runter. Verfluche meinen Körper. Bei Rotwein und Holunderlikör unten vorm Hof merke ich es dann eher weniger. Für die morgen geplante Tour ist das allerdings etwas unpraktisch.
21.00 Ankunft neuer Gäste. Einer ist Blockflötenspieler, der angeblich für ein bevorstehendes Konzert üben muss. Habe Angst, er bekommt das Zimmer neben mir. Lustige Geschichten zu Blockflöten fallen mir ein, halte mich aber am Tisch draußen zurück, da ich nicht weiß, in welcher Beziehung die anderen zu ihm stehen. Bin auf weitere Entwicklung gespannt.
22.50 Liege im Bett und will schlafen, als irgendjemand neben oder unter mir penetrant herumklopft. Erst denke ich noch, es ist an meiner Tür. Stehe auf und gucke zur Tür. Klopfen kommt von woanders her. Gerade als ich kurz davor bin, völlig gereizt im Flur zu rufen, dass der oder diejenige um diese Uhrzeit bitte damit aufhören soll, hört es auf. Schlafe irgendwann ein.






















besser blockflöte als trompete!