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Von wilden Hornissen und gefährlichen Hunden

Geissler im roten Abendlicht

Geissler im roten Abendlicht

08.30 Frühstück. Irgendwie zu früh. Überlege jetzt schon, eventuell später noch ein wenig zu schlafen.

10.00 Papa geht los zur Radlsee-Hütte, ich will entspannen und nehme den Vorschlag, eventuell eine kleine Runde zu gehen um die Schuhe einzulaufen, entgegen. War ja so lange nicht mehr in den Bergen. Aber erstmal an den Laptop und tippseln.

11.30 Sonne auf dem Balkon.

12.00 Dösen.

12.30 Lesen.

13.00 Dösen.

13.30 Immer noch Sonne. Muss aber meinen Stuhl auf dem Balkon immer wieder verrücken, damit mich die Sonne auch noch trifft.

13.45 Sonne hat den Balkon endgültig verlassen. Erstmal zwei Kekse essen.

13.50 Stehe im Bad und gucke in den Spiegel. Stelle fest: habe einseitigen Sonnenbrand auf der linken Körperhälfte. Beschließe, es am nächsten Tag durch geschicktes Platzieren meiner Selbst auszugleichen.

14.00 Hadere mit meinem inneren Schweinehund.

14.10 Beginne, mich für eine kleine Runde fertigzumachen. Füsse an empfindlichen Stellen bepflastern, dick eincremen und dann rein in die Socken und Schuhe. Rucksack packen mit Wasserflasche, Handy, Taschentücher und Jacke.

Brixen im Sonnenschein

Brixen im Sonnenschein

14.30 Los gehts. Erstmal fröhlich 200 Höhenmeter bergab Richtung Tils. Dort angekommen, gehts die 8a wieder 500 Höhenmeter hoch zum Feichter Hof.

Wegkreuzung

Wegkreuzung

14.40 Bin froh, alleine zu sein. Beim Anstieg alle fünf Minuten Pause. Abstützen auf die Wanderstöcke und erstmal laut rumhecheln. Mir fällt in dem Moment ein, dass ich mein Asthmaspray vergessen habe. Überwinde mich jedesmal, dennoch weiterzugehen.

15.00 Zwischendurch immer wieder Glücksmomente aufgrund der schönen Natur. Mache auch Fotos, sind gute Ausrede für Pausen. Gehe sogar am Abzweig vorbei, der mich zurück zum Plonerhof gebracht hätte. Bin stolz auf mich.

Sonnenflecken auf meinem Wanderpfad

Sonnenflecken auf meinem Wanderpfad

15.10 Denke darüber nach, was wohl passiert, wenn mich hier, alleine wie ich bin, einer überfällt. Stelle mir vor, wie ich abends im Dunkeln schwer verletzt aus einer Bewusstlosigkeit erwache, mit Ameisen übersät, und mich dank meiner guten Orientierung doch wieder zurück nach Tils durchschlagen kann.

15.30 Befinde mich im letzten Waldstück des Anstiegs zum Feichter Hof. Auf einmal höre ich kein Rauschen der Bäume mehr, sondern nur noch lautes Gebrumm. Der ganze Wald brummt.

15.32 Denke an große Hornissen und Wespennester und versuche zu erkennen, ob irgendwo an den Bäumen um mich herum was hängt, was so aussieht. Finde natürlich nichts.

15.34 Der ganze Wald brummt immer noch. In meiner Phantasie kreisen mich die Hornissen schon ein und überlegen sich eine Angriffsstrategie. Ich gucke mich immer wieder um und steige trotz Schnappatmung immer zügiger den Weg hinauf.

15.50 Endlich Waldrand erreicht. Schnell durch die Weidenbegrenzung und das Holztor. Ich falle völlig entkräftigt ins Gras. Und springe sofort wieder hoch, um erstmal zu gucken, dass ich mich nicht auf irgendwelche stechenden Insekten lege. Nichts zu sehen, also erstmal wieder hinlegen, Aussicht genießen und was trinken.

Rückblick in den Hornissenwald

Rückblick in den Hornissenwald

16.00 Über die Weide und die Alm weiter Richtung Feichterhof. Komme wieder an die Weidenbegrenzung, diesmal leider kein Griff zum einfachen Öffnen und Schließen. Aufgrund meiner kurzen Beine traue ich mich nicht, einfach drüber zu steigen, aus Angst vor Stromstoss. Gehe also den Weg weiter nach unten, in der Hoffnung, das Ganze zu umgehen.

16.05 Stelle fest: umgehen nicht möglich, schließlich befinde ich mich auf einer eingezäunten Weide. Bei der nächsten Möglichkeit halte ich das Band mit dem Wanderstock unten und steige drüber. Technik funktioniert nicht, Band schnippt zurück an mein nacktes Bein. Kurzer Schreck, dann merke ich: Zaun ist gar nicht geladen. Hätte ich auch vorher drauf kommen können, schließlich waren keine Kühe auf der Weide. Befinde mich nun aber abseits des Weges und muss durch Disteln durch, die halb so groß sind wie ich. Finde mich selbst doof.

16.10 Halte weiter durch und mache mich auf den Weg zur Strasse, die zum Masitter führt. Meinem Ziel.

16.30 Endlich angekommen. Erstmal Pause auf der Bank machen. Bisher noch keinem anderen Menschen begegnet.

16.40 Weiter gehts, die Strasse wieder runter Richtung Perlunger, denn dort gehts wieder hinab zum Plonerhof.

17.00 Fotografiere mich zwischendurch selbst, zum Beweis.

17.10 Abstieg von der Strasse erreicht. Bin gerade zwei Minuten im Wald, als ich neben mir ein lautes, dumpfes Grollen höre. Denke sofort, ein großer wilder Hund sitzt im Busch und knurrt mich an, um mich danach anzugreifen. Überlege kurz, zu rennen. Nachdem die Schrecksekunde vorbei ist, stelle ich fest, es handelt sich um einen versteckten Gulli, der vor sich hin gurgelt. Verfluche meine Schreckhaftigkeit und Phantasie, mein Herz rast wie wild.

17.40 Ankunft am Plonerhof, erstmal großes Radler ordern. Papa ist zehn Minuten vor mir schon wieder eingetrudelt.

18.30 Lecker Abendbrot mit überbackenen Canelloni, dann draußen bei Wein dem Jägerlatein lauschen und schließlich ziemlich kaputt ins Bett.

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3 comments to Von wilden Hornissen und gefährlichen Hunden

  • :D

    hat sich denn noch geklärt, was das brummen war?

  • Nicht direkt. Also mir haben sie hinterher erzählt, unten im Dorf würde es so viele Bienenstöcke geben. Das fand ich aber unzureichend als Erklärung, weil die sich erstens lieber Blumen auf dem Feld suchen und zweitens nicht so laut sind. Ich bin immer noch von meiner Hornissen-Theorie überzeugt. ;)

  • Möchte nur mal schnell meinen senf dazu geben und sagen, wenn ihnen wircklich was im walt geschehene were, hetten wir, die Freiwillige Feuerwehr von Tils, Sie im Walt gerettet ;) Den wir kennen diese Wälder wie unsere Westentaschen ;) p.s. schön hir bei uns oder????

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