Und wieder mal war ich gestern abend bei einer Voraufführung in den Hamburger Kammerspielen. Diesmal zwar für 10 Euro pro Karte, aber das ist im Vergleich zu den normalen Eintrittspreisen ja auch nix. Und ich mag irgendwie die Atmosphäre bei diesen Voraufführungen. Das Publikum ist lockerer, der Intendant kündigt an und plaudert im Besten Fall auch ein bißchen aus dem Nähkästchen und eine echte Unterbrechung des Stücks habe ich noch nicht erlebt, obwohl mich selbst das nicht stören würde. Und gestern abend war es also das neue Stück von Dietmar Loeffler “Pasta e Basta”, ein italienischer Liederabend.
So ähnlich wie sein anderer großer Erfolg “Männerbeschaffungsmaßnahmen” baut auch dieses Stück auf der Auswahl der Lieder auf, die eine Hintergrundgeschichte begleiten und ausschmücken sollen. Ein bißchen fehlt es diesem Stück aber im Gegensatz zu seinem Vorgänger an Substanz, denn mit “Pasta e Basta” ist es dem Autor nicht ganz so gut gelungen, alle Charaktere und ihre Lieder zu einer homogenen Geschichte und Aufführung zu vereinen, wie bei den Männer suchenden Frauen im letzten Jahr. Es fängt wunderbar an, in einer typisch italienischen Restaurantküche, in der Kellner und Köche nach Feierabend noch Grappa trinken, rauchen, über die Gäste lästern und einen italienischen Klassiker nach dem anderen zum Besten geben. Doch nach den ersten zwanzig Minuten gibt es ein zwei Längen und ab dem Auftritt der ersten tragenden Frauenrolle verblassen leider sowohl Kellner als auch Koch. Mag sein, dass es so gewollt ist, mag sein, dass es an den herausragenden Stimmen und dem absolut überzeugenden Spiel der beiden Frauenrollen liegt, dass die beiden Männer – ein original italienischer, frauenverführender Kellner und ein kleiner dicker Tessiner – für den Rest des Stückes fast zu Nebendarstellern degradiert werden. Was schade ist, denn beide Männerrollen haben mehr Potenzial, vor allem der Kellner, den man schon als Mann-Frau aus “Männerbeschaffungsmaßnahmen” kennt.
Der Plot ist recht simpel. In der Restaurantküche werden Lieder gesungen; hier arbeiten Kellner, Koch, ein echter Hamburger Spitzenkoch (!), natürlich Dietmar Loeffler selbst als klavierspielender Italiener und nach dem ersten Drittel eine afrikanische Tellerwäscherin. Kritisch wird es, als eine Dame vom Amt für Lebensmittelkontrolle sowohl Hygiene als auch Papiere prüfen soll und gleichzeitig ein wichtiger Restaurantkritiker im Gastraum sitzt. Ich hatte ein bißchen das Gefühl, dass man möglichst viel in das Stück reinpacken wollte, sowohl ernste Probleme italienischer Küchen (Schwarzarbeit) als auch lustige Anspielungen auf die Gegenwartsgeschichte (Berlusconi). Und es ist ein bißchen viel des Guten.
Nichtsdestotrotz tragen einen die wunderbar und teilweise höchst eindrucksvoll vorgetragenen Lieder über die wenigen Schwächen des Stücks hinweg, unter anderem Songs von Eros Ramazotti, Paolo Conte, Mina, Catharina Valente und anderen mehr oder weniger bekannten Sängern und Sängerinnen. Ich frage mich nur, ob das Stück nicht insgesamt ein klein wenig unverständlich ist, wenn man weder englisch noch italienisch versteht, da sich die deutschen Lieder natürlich deutlich in der Minderheit befinden. Aber die Atmosphäre macht das sicherlich wieder wett. Für mich war auch beides kein Problem. Ich kannte auch nur drei oder vier der vorgetragenen Lieder nicht, darunter ein wunderschönes Liebeslied von Mina (hier als Video) und eines über die Zubereitung von Salsa Pomodoro, welches ich leider bisher nicht im Internet gefunden habe.
Ein besonderes Highlight sind die Hamburger Spitzenköche, die sich jeden Abend auf der Bühne abwechseln und ihre jeweiligen Lieblingsgerichte in Echtzeit kochen. Diese werden gegen Ende der Aufführung auch an die Gäste im Parkett verteilt. Wer also was abbekommen möchte, sollte sich Plätze in den vorderen Reihen am Rand sichern. Wir saßen gestern zwar vorne, aber in der Mitte, von daher habe ich leider nicht probieren können. Im Anschluss des Stückes kann man sich auch genau zum jeweiligen Koch und seinem Gericht informieren und es gibt sogar einen kleinen Führer, in welchen Restaurants die jeweiligen Köche kochen und welche Sonderangebote es dort für Besucher der Hamburger Kammerspiele gibt.
Fazit: Leichte und humorvolle Unterhaltung mit italienischem Flair, tolle Songs und vor allem wahnsinnig gute weibliche Schauspielerinnen/Sängerinnen. Von der Story und dem Gesamteindruck her ein klein wenig unausgewogen, aber die sehr gute Leistung der Mitwirkenden und vor allem die Musik retten sehr gut darüber hinweg. Von mir also eine echte Empfehlung für alle die, die dieses Jahr nicht nach Italien fahren können.
Und als kleine Einstimmung ein wunderschönes Liebeslied von “grande” Mina und Adriano Celentano mit seinem Klassiker “Azzuro”:
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=8JU5vIMy0QQ&hl=de&fs=1&border=1]
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Q1VGoKBKR3I&hl=de&fs=1&border=1]






















Kommentare