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Hamburg: Lange Nacht der Museen

Deichtorhallen in Hamburg

Deichtorhallen in Hamburg

Gestern war es das zweite Mal, dass ich auf der langen Nacht der Museen unterwegs war. Und wie letztes Jahr war es wirklich eine lange Nacht und ich konnte am Ende fast überhaupt nicht mehr laufen vor lauter Fuss- und Rückenschmerzen. Nicht, dass ich irgendwie schlecht zu Fuss wäre, aber das langsame Gehen im Museum selber und das lange Herumstehen geht so sehr auf den Rücken. Ich werde alt. Aber ich habe zusammen mit Freunden von mir alles geschafft, was ich mir vorgenommen hatte, und das ist ja auch schonmal was. Insgesamt waren wir an sechs verschiedenen Locations, hier der Reihe nach:

In den Deichtorhallen gab es ja mehrere Austellungen. Am Besten haben uns die Fotografie-Ausstellungen gefallen, und zwar “Blicke und Begehren” von Herbert Tobias und die zweite von Wolfgang Zurborn. In der großen Halle gab es wiederum Malerei, und zwar von Cecily Brown und Herbert Brandl. Die Erklärungen von geladenen Transvestiten zu den Fotografien von Herbert Tobias hätten wir theoretisch zeitlich live mitbekommen können, wenn die Damen denn mit einem Mikrofon ausgerüstet gewesen wären. So aber waren beide nur für die ersten drei bis vier Reihen der sie umringenden Zuhörer hörbar, der Rest blieb leider außen vor. Dafür gab es aber stattdessen eine interaktive Malaktion in der großen Halle, mit Acryl auf Leinwänden. Detaillierte Informationen gab es vorab weder im Internet, noch im Programm, aber ich wollte dort eben unbedingt mitmachen und konnte auch noch einen der wenigen Plätze um acht Uhr ergattern. Meine zwei Freundinnen kamen dann auch mit rein, zum Zuschauen und Beraten. Das Motto war dann: Mein schönster Sonnenuntergang. Wir sollten also mit kitschigen Farben einen Sonnenuntergang o.ä. im Farbverlauf auf eine Leinwand pinseln und anschließend Schablonen auswählen, die in schwarz auf den farbigen Hintergrund gebracht werden sollten. Die Schablonen bestanden entweder aus Südseemotiven, oder einer Kulisse Hamburgs, oder aus menschlichen Figuren, passend zur leicht pornographischen Ausstellung von Herbert Tobias. Und der geneigte Leser wird sich jetzt sicherlich vorstellen können, was bei drei jungen Frauen und derartigen Schablonen als Ergebnis entstanden ist:

Ohne Worte

Ohne Worte

Wir und auch der uns betreuende Künstler haben viel gelacht. Sollte ja auch nur ein Gag sein.

Nach diesem erfolgreichen Besuch ging es mit dem Shuttlebus weiter in die Speicherstadt. Zuerst ins Speicherstadtmuseum, wo als Motto “Muckis und Muckefuck” angesagt war. Und wir haben dann auch erstmal gemütlich was getrunken, ich einen Muckefuck und die anderen Bier, welches mir ja leider derzeit versagt ist. Aber immerhin hatte ich somit einen kleinen Wachmacher. Die Ausstellung dort ist auch sehr interessant und das Ambiente rustikal-gemütlich, alles in allem sehr informativ. Dann begannen die Diskussionen, wie wir jetzt weitermachen. Ich konnte alle davon überzeugen, erstmal in das Afghanische Museum zu gehen, wo Bauchtanz, Chai, Wahrsagen und Henna-Malerei unter dem Motto “Zauber des Orients” auf uns warten sollten. Um es kurz zu machen: für meine Begleitung war dieser Besuch ein Totalausfall. Ich war vorher schonmal dort gewesen, und wusste, dass es eigentlich wirklich einige sehr interessante Dinge zu sehen gibt, nur drängelten sich dermaßen viele Leute in dem recht klein bemessenen Ausstellungsraum, dass man weder die Bauchtänzerinnen (enttäuschenderweise blonde Frauen älteren Semesters – mit hoher Wahrscheinlichkeit Hausfrauen) sehen konnte, noch die Ausstellungsstücke selber. Beim Kartenlegen standen sehr viele Leute an, bei der Henna-Malerei, die aber einiges extra gekostet hätte, ebenfalls. Nunja, wir haben diese sehr heiße Stätte – gefühlte 40 Grad – dann recht schnell wieder verlassen. 

Los gings also zum Deutschen Zollmuseum, was umso interessanter war. Hier gibt es alles rund um das Zollwesen zu bestaunen, von gefälschten Produkten über Schmugglerverstecke bis hin zu artengeschützten Tieren und Pflanzen, deren Ausfuhr verboten ist. Hier war es zwar auch recht voll, wie überall zur Langen Nacht der Museen, aber es war noch so, dass man sich die Ausstellungsstücke ohne Ellbogengebrauch ganz gut anschauen konnte. Dazu gab es dann noch zünftige Hamburger Musik von einem Solokünstler mit Gitarre. Mittlerweile war es auch schon halb Zwölf und ich konnte langsam nicht mehr laufen, weil mir sowohl die Füsse als auch der Rücken sehr weh taten. Nichtsdestotrotz ging es weiter zur U-Bahn und ab zur Kunsthalle. Hier sollte das Motto “Tanz der Farben” herrschen, aber wie ich jetzt im Nachhinein festgestellt habe, haben wir die aktuelle Ausstellung gar nicht gesehen, sondern nur die, die immer da ist. Beziehungsweise einen Teil davon. Beängstigend fand ich den Tanz der Schnaken oder wie auch immer diese Installation noch hieß, bei der riesige weiße Schnaken im Treppenhaus zur Galerie der Moderne aufgehängt sind. Ich habe nämlich Angst vor Schnaken und finde die Viecher ziemlich eklig, deshalb habe ich sogar bei diesen unechten Schnakenriesen darauf geachtet, sie nicht zu berühren. Huah. 

Und als wir endlich aus der Kunsthalle kamen, ich lief mittlerweile mehr schlecht als recht auf meinen – zugegebenermaßen hochhackigen – Stiefeln, die aber sonst sehr bequem sind, aber ich wollte unbedingt noch ins Museum für Kommunikation und dort den Abend ausklingen lassen. Es war ja mittlerweile auch schon viertel vor Eins. Also mussten wir dort auch noch mit dem Bus-Shuttle hin, denn dort ist zur Zeit neben der äußerst interessanten Standardausstellung eine Sonderausstellung zum Thema Körperkunst, also Tattoos und Piercing. Und die lohnt sich wirklich, ist sehr interessant aufgemacht und präsentiert. Ich wollte ja auch wieder beim interaktiven Teil mitmachen und mein Tattoo einen Teil der Ausstellung werden lassen – wie angeboten – aber nachdem sich über eine Viertelstunde lang kein Fotograf beim genau dafür aufgebauten Platz sehen ließ, habe ich dann auch aufgegeben. Blieb noch die Möglichkeit, ein Henna-Tattoo mitzunehmen. Aber hier hatte man “nur” die Möglichkeit, sich selber mit einem Hennastift zu bemalen. Und ich war zu dieser Stunde nicht mehr wirklich konzentriert und geduldig genug, mir das mithilfe von Schablonen selber zu machen, und hätte es vorgezogen, bemalt zu werden. So machten wir uns dann also gegen halb zwei von dort aus auf den Weg nach Hause.

Fazit: Von 18 Uhr bis halb Zwei auf den Beinen, gegen Ende fast unerträgliche Schmerzen, dafür sehr viele interessante Dinge und vor allem Museen gesehen und ein albernes Bild mit nach Hause genommen. Ich finde, es hat sich mal wieder sehr gelohnt. ;)

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