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Projekt 52: KW 19 – Die große Freiheit

neueslogo52Kurz was allgemeines vorweg: Projekt 52 ist ein künstlerisches Vorhaben, bei dem jeder sich beteiligen kann. Der Grundgedanke ist, zu jeder Woche des Jahres ein Foto zu einem bestimmen Thema auf seinem Blog/Webseite/Flickr-Account/… zu veröffentlichen. Wer nicht fotografiert, kann auch zeichnen oder grafisch aktiv werden. Sari von mondgras.de lost jeden Sonntag ein neues Thema aus, und alle die sich am Projekt beteiligen, haben eine Woche Zeit, ihren Beitrag online zu stellen. Keine Verpflichtungen, dafür jede Menge Kreativität und interessante Beiträge.
Ich habe es erst jetzt für mich entdeckt, aber man kann ja jederzeit einsteigen.

Das Thema diese Woche – und mein erstes in diesem Projekt – lautet also Freiheit. Ich habe dazu eine Foto-Collage gemacht, mit sehr persönlichem Hintergrund.

bienejung_variante3Und zwar fiel mir, als ich den Begriff las, als erstes die ehemalige DDR ein. Ich habe bis zu meinem 8. Lebensjahr in Stralsund gelebt und bin gemeinsam mit meinen Eltern, die schon Jahre zuvor einen Ausreiseantrag gestellt hatten, im Mai 1989 offiziell nach Eckernförde, in der Nähe von Kiel, ausgereist. Meine Eltern standen damals all die Jahre nicht nur wegen ihrem Ausreiseantrag unter ständiger Beobachtung, sondern auch weil keiner von beiden sich mit dem System und den Lebensumständen dort zufriedengeben wollte, und beide dies auch unter Gleichgesinnten, Freunden und Verwandten, und durch Briefe an die Obrigkeit sowie Vorträge in Kirchen zum Ausdruck gebracht haben. Für sie, wie für viele andere, war also die große Freiheit die, endlich in den Westen zu gelangen, hauptsächlich wegen der Meinungsfreiheit und der Freiheit, sein Leben endlich so zu führen, wie man es wollte.

Als kleines Kind, was ich damals auf dem Foto war, habe ich das nicht verstanden. Ich war immer Außenseiter, in der damaligen DDR aufgrund der Gesinnung meiner Eltern, die mich auch nicht Pionier sein ließen, wie es alle Kinder in der Schule waren. So wie die Eltern überwacht wurden, ließ man auch die Kinder nicht aus den Augen. Klar, ein zwei Freunde hatte ich schon. Aber nicht bei den Pionieren zu sein, war schon was anderes. Dann, in Eckernförde, hatten wir zwar anfangs einen tollen Empfang durch die Arbeiterwohlfahrt, die uns sehr unterstützt haben. Aber in der Schule lief nach einem halben Jahr alles schief. Die Mauer fiel und ich wollte lange nicht mehr zur Schule gehen, weil mich die älteren Kinder mit Parolen ihrer Eltern wie “Ihr nehmt uns die Arbeitsplätze weg!/Geht zurück, wo ihr hergekommen seid!” verprügelt haben. Ich war damals 9 oder 10 Jahre alt. Ein Umzug nach Kiel machte es dann irgendwann besser, aber es gab eine Phase in meiner Kindheit/Jugend, wo ich anderen Menschen verschwiegen habe, wo ich geboren bin.

Was ich damit sagen will, ist nicht, dass ich irgendwie bemitleidenswert bin, weil ich in der Schule aufgrund meiner Herkunft verprügelt wurde. Erstens passiert so etwas leider überall auf der Welt, und zwar ständig, und zweitens habe ich dadurch einfach viel fürs Leben gelernt. Nicht zuletzt, dass ich an meinen Eltern gesehen habe, wie wichtig es ist, sich selbst und seinen Überzeugungen treu zu bleiben und sich damit die Freiheit zu erkämpfen, die man braucht, um leben zu können.
Was ich damit sagen will  ist, dass es für mich heute sehr wichtig ist, jedem die Freiheit zuzugestehen, die derjenige braucht, um sich zu entfalten, sich auszuleben, einfach er selbst zu sein – natürlich auch mir selbst. Und das man diese Freiheit in einem totalitären Regime und Überwachungsstaat nicht hat, per se nicht haben kann. Und das gilt nicht nur für die ehemalige DDR, sondern natürlich auch für alle anderen Staaten, die heutzutage noch auf diese Weise regiert werden.

Das ist eine meiner vielen Interpretationen zu Freiheit. Aber da es die erste war, die mir eingefallen ist, bin ich diesmal dabei geblieben. Die Beiträge, die bei Sari eingestellt wurden, habe ich mir alle angesehen. Aber ich frage trotzdem: Was bedeutet Freiheit für euch?

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