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Hamburger Kammerspiele - Das Maß der Dinge

hamburger_kammerspiele Gestern war in den Hamburger Kammerspielen die zweite Hauptprobe für das neue Stück von Neil LaBute “Das Maß der Dinge”, welches am 17. April offiziell Premiere feiert. Kurz vorweg, es werden große Penisse an die Wand gesprayt, laut Penis geschriien, Kunstblut gespuckt, Sex simuliert, mit Keksen herumspuckt und anderen ins Gesicht gesabbert. Es ist also ziemlich viel los auf der Bühne. Hat mir das Stück gefallen? In der Pause dachte ich noch, hm, eher nicht so mein Fall. Genauso wie bei “Fettes Schwein”, dem anderen Stück von Neil LaBute, welches ich letztes Jahr in den Kammerspielen gesehen habe. Aber am Ende hat es mir doch sehr gefallen und es regt vor allem zum Nachdenken und zu Diskussionen an.

Zur Story selber: Adam lernt Eve(!) bei seinem Job als Aufpasser im Museum kennen, die beiden werden ein Paar, und von Szene zu Szene verändert sich Adam. Auf diverse Vorschläge seiner Freundin hin nimmt er ab, schneidet sich die Haare, tauscht Brille gegen Kontaktlinsen, und so weiter und so fort. Am Ende muss er leider einsehen, dass die Beziehung zu Eve nicht die Liebe war, die er sich vorgestellt hat, ganz im Gegenteil. Doch auf die interessante Frage, die sie ihm am Ende stellt, als er begreift, was vor sich ging, wie: “Ging es dir etwa schlecht? Hat dir irgendeine deiner Veränderungen, die dich beliebter, und in den Augen unserer Gesellschaft “besser” gemacht haben, etwa nicht gefallen?”, hat er keine adäquate Antwort. Sehr interessanter Gedankengang, der dort aufgegriffen wurde.

“Das Maß der Dinge” ist eine Gesellschaftskritik par excellence. Sehr gut inszeniert, und vor allem hervorragend gespielt von den Darstellern, hat man oberflächlich das Gefühl, eine leichtfüssige Komödie anzuschauen, es gab im Publikum auch sehr viele Lacher, aber je mehr sich das Stück dem Ende nähert, desto mehr bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Immer wieder brechen die Darsteller bei gewissen Momenten aus der Oberflächlichkeit aus und offenbaren entweder ihre Bösartigkeit, Oberflächlichkeit oder auch Gleichgültigkeit, die allem zugrunde liegt.

Im Grunde stellt das Stück zwei Fragen. Die eine ist, was ist Liebe überhaupt? Und wie weit sind wir bereit, in einer Beziehung für den jeweils anderen zu gehen und uns zu verändern? Und ist Liebe überhaupt ein tiefgehendes Gefühl oder doch nur ein “großes Wort”, welches aus oberflächlicher Annäherung, Lügen und gespielten Zuneigungsbeweisen besteht und in jedem Fall in Einsamkeit endet.
Die andere Frage ist, was ist Kunst? Und welche Grenzen kennt die Kunst? Hier findet eine ganz klare Abrechnung mit der zeitgenössischen Kunst statt, die nur sich selbst beweihräuchert und keine Moral, keine Grenzen mehr kennt und den Menschen in seiner Menschlichkeit von oben herab belächelt. Eins der besten Zitate des Stückes ist meiner Ansicht nach: “Wenn Picasso geschissen hat, hat er es nicht Skulptur genannt. Er kannte den Unterschied. Deshalb war er auch Picasso.” Das bringt das Problem, was viele mit bestimmten Projekten haben, die sich als Kunst bezeichnen, exakt auf den Punkt.

Fazit: Ein Besuch des Stückes lohnt sich in jedem Fall, auch wenn ich mich persönlich am Ende gefragt habe, was sich Regisseur/oder Drehbuchautor bei einigen Szenen gedacht haben, die meinem persönlichen Kunstgeschmack nicht ganz entsprachen und ein wenig befremdlich wirkten. ;)

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1 comment to Hamburger Kammerspiele – Das Maß der Dinge

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