Das Ballett, bei dem wir in Stralsund waren, trug den Titel “Engel” und sollte alle Aspekte, die man so allgemein mit Engeln verbindet, beinhalten und mithilfe unterschiedlichster Musikstücke darstellen. So stands auf dem Programm, welches ich zum ersten Mal am Abend selbst in der Hand hatte. So kanns gehen, wenn man eingeladen wird.
Als ich dann las, dass solche Stücke wie “Engel” von Rammstein und Bushido gespielt werden, dachte ich erst, – ohje! – darüber kann man nichts Gutes schreiben. Ganz so schlimm war es allerdings dann doch nicht, obwohl ich die Musikauswahl teilweise wirklich ziemlich schräg fand.
Vorab muss aber gesagt werden, dass die Tänzer in einer internationalen Besetzung durch die Bank sehr gut waren! Auch die Choreographie hat mir bei den meisten Stücken sehr gut gefallen. Der Anfang mit einem Stück von Mike Oldfield namens “Tubular Bells (1. Teil)” war etwas verstörend, aber richtig getroffen hat mich das zweite Stück.
Gespielt wurde “Parce mihi domini” von Jan Garbarek & The Hilliard Ensemble, und es tanzten zwei Engel miteinander, die sich gegenseitig hielten, wenn einer nicht mehr konnte. Das mag sich jetzt banal anhören, aber der Ausdruck der Tänzer und ihre gesamten Gesten waren so stark, dass es mich wirklich sehr berührt hat. Dieses Gefühl von Geborgenheit, von Halt, und das jemand da ist, der einen auffängt, wenn es nötig ist.
Insgesamt war es sehr abwechslungsreich. Die kleinen Botticelli-Engel waren ebenso vertreten, wie der ewige Kampf zwischen gefallenem, schwarzem Engel und dem guten weissen Engel. Zu “There must be an angel” von Eurythmics gab es eine Engelmodenschau im Teleshop-Stil, wirklich zum Lachen, und zum “Wesendonk-Lied (Nr. 1, Der Engel)” von Richard Wagner wurde ein kleines Kind von seinem Schutzengel sanft durch die Träume geführt.
Um nochmal auf die musikalischen Verfehlungen vom Anfang zurückzukommen: bei Rammstein war pure Agonie auf der Bühne, mit einem in Zwangsjacke gefesselten Engel in der Mitte, und bei Bushido spielte sich ein Kampf zwischen gutem und bösem Engel ab. Nun ist Musik auch immer Geschmackssache, aber die Inhalte hätte man auch mit anderen Stücken realisieren können.
Wir haben uns dann informiert, und es hieß, das Stück wäre schon seit über einem Jahr im Programm. Trotzdem waren wir etwas verwundert darüber, dass gerademal knapp 40 Zuschauer da waren. Es wäre sehr schade für das gerade neu restaurierte Stadttheater, wenn man es nicht mal mit der derzeitigen Kooperation Theater Vorpommern gemeinsam mit den Städten Greifswald und Putbus halten könnte.




























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